Startseite | Bestellen | Profil | Impressum
> Startseite > edition stadt.land > Die Akte Eibach-Leseprobe |
Besuchen Sie den Günter Sahler Verlag auch hier: |
||
|
|||
![]() |
"Die Akte Eibach" - edition stadt.land Leseprobe Einleitung Ausgangspunkt für dieses Buch war der Fund eines Artikels in der rechtswissenschaftlichen Zeitschrift „Archiv für das Civil- und Criminal- Recht der Königl. Preuß. Rheinprovinzen“. Dieser Artikel aus dem Jahre 1848 behandelte einen Kirchenstuhl in der Kirche St. Severin in Lindlar, der ursprünglich zur Burg Eibach bei Lindlar-Scheel gehört hatte, von den Burgbesitzern verkauft worden war und nun im 19. Jahrhundert aufgrund eines Beschlusses des Kirchenvorstandes aus der Kirche entfernt werden sollte. Es kam zu einem Prozess, der über zwei Instanzen geführt wurde. Ich wollte ermitteln, was es mit dem Stuhl auf sich und wem er gehört hatte. Diese Geschichte möchte ich Ihnen in diesem Aufsatz erzählen. Neben der Thematik der Kirchenstühle, die auch viel mit der Position der adeligen Familien im Ort zu tun hatte, spielt auch die Vererbung innerhalb der Familien eine Rolle, so dass die Familienforschung ein wichtiger Teil dieser Arbeit wurde. So habe ich zunächst versucht zu klären, wer denn überhaupt Besitzer des „Eybacher Stulls“ sein konnte, um dann etwas die Bedeutung von Kirchenstühlen zu beleuchten [...] Steffen von Neuhoff gen. Ley Steffen (Stephan) erbte von seinem Vater
Wilhelm dem Jüngeren Eibach. Verheiratet
war er mit Jodoea von Strünckede
(vgl. Tafel 9), eine Tochter von Jobst von
Strünckede und Henrica von Hatzfeld. An
andere Stelle heißt Jodoea, Henrica und ist
nachdem Steffen verstorben war, in zweiter
Ehe mit Adolf von Neuhof gen. Ley
(Leyen zur Leyen) zu Kaltenbach verheiratet
gewesen. Steffen von Neuhoff gen. Ley
geriet mehrmals mit seinen Nachbarn auf
Schloß Gimborn in Streit. Die Burg Eibach
lag an der Grenze zur Herrschaft Gimborn-Neustadt. Der Streit um das Erbe Nach
dem Tod von Friedrich Ludwig Franz 1696
und der Heirat von Franz Bernd Johann
von Neuhoff und Christina Elisabeth von
Bottlenberg gen. Kessel vereinigte das Ehepaar
Eibach, Pungelscheid und Wintersohl
sowie es zuletzt in Zeiten von Wilhelm
dem Jüngeren im frühen 17. Jahrhundert
der Fall war. Die Familie von Seraing
Jacob Heinrich Hartard von Seraing fand
ich in dem Buch „Die Kanoniker des Petersstifts
in Fritzlar 1519 – 1803“ (Niederquell
1980). Hier heißt es in einem Abschnitt über
Johann Franz Ferdinand von Seraing: „Die
Angabe der väter.[lichen] Großeltern stützt
sich auf die Tatsache, daß die Großmutter
eine Schwester des Speyrer Bischofs Hardard
v. Rollingen gewesen ist und ein
1730 genannter Bruder des Fritzlarers mit
Vornamen Jakob Heinrich Hartard v.
Seraing hieß.“ An anderer Stelle des Buches
werden als Großeltern Johann Engelbert
von Seraing und Claudia Margarethe Freiin
von Rollingen, die vor 1665 geheiratet
haben, genannt. Ihr Enkel Johann Franz
Ferdinand von Seraing sei um 1701/02 vermutlich
bei Lüttich geboren und am 4. April
1763 verstorben. Das Wappen der Familie
von Seraing wird beschrieben: „Durch ein
silbernes Andreaskreuz gevierter schwarzer
Schild mit je einer silbernen Merlette
belegt, darüber ein roter Herzschild mit
einem goldenen Löwen. Helm: ein schwarzer
Adlerkopf.“ (ebd.) Verkauf des Kirchenstuhls In Lindlar standen Kirchenstühle der Adeligen von den umliegenden Burgen. Die Stühle der Besitzer von Heiligenhoven, Breidenbach und Eibach. Die privilegierten Positionen werden im 18. Jahrhundert, spätestens ab dem frühen 19. Jahrhundert weniger umkämpft worden sein. 1769 gab die Familie von Seraing den Stuhl der Burg Breidenbach auf. Und nach dem Brand der Burg Eibach 1782 verlor auch der „Eybacher Stull“ an Bedeutung. Ein letztes Aufbäumen kann man den Versuch der Familie von Seraing ansehen die alten Stühle in St. Severin an Ort und Stelle zu belassen. Als Pastor Peter Georg Schwarz – er war Pfarrer in Lindlar von 1805 bis 1813 (Müller 1976, S. 308) – die Versetzung der Kirchenstühle in St. Severin veranlasste, erhoben Carl Alexander von Seraing und seine Frau, Eva Franziska von Seraing geborene von Quadt dagegen Einspruch. Die Unterlagen hierzu stammen aus den Jahren zwischen 1807 und 1810. Annahme: Der Stuhl gehörte noch bis maximal 1810 den von Seraings. Wenig später verkauften die von Seraings auch diesen Kirchenstuhl. Der Käufer des „Eybacher Stull“ war Johann Heinrich Dobener. Der spätere Besitzer Wilhelm Komp erwähnt den Kirchenstuhl in seinem Testament vom 12. April 1813 ... © 2011 - 2012 Günter Sahler, Heckenweg 1, 51789 Lindlar, Tel.: 0 22 66 - 44 04 08, E-Mail: info@guentersahler.de. |

