Leseprobe Blechluft 1

„Blecheimer und Luftpumpe“ – Edition Blechluft 1

 

BL1

Frieder Butzmann: Wie bin ich in die Fänge der „Neuen Welle“ geraten? Das kann ich ganz konkret erklären. Ich bin Anfang 1977 in die Kantstraße gezogen. Da wir ich mit dem Fahrrad unterwegs und transportierte einen Koffer mit alter Wäsche. Da war ein anderer Mensch noch unterwegs, auch mit alter Wäsche, auch auf dem Weg oder vom Waschsalon. Und das war der Burkhard Seiler, mit dem habe ich mich kurz unterhalten. Paar Tage später geht ich auf den Flohmarkt und wen treffe ich da? Burkhard Seiler, der spätere Zensor! Und der verkauft da Schallplatten. Ich mein ich hatte da gehört gehabt – da gab es schon die Sex Pistols und ein paar Sachen und dieser Burkhard Seiler der hat da ganz merkwürdige Schallplatten verkauft. Alles verrückte Schallplatten, von denen ich vorher noch nie gehört hatte, alles Singles, die habe ich dann alle gekauft. Irgendwie haben sich dieser Burkhard Seiler und ich gut verstanden und der hat auch gemerkt, daß ich mich für Musik interessiere und halt auch noch ein bißchen was anderes kenne als was sonst damals in der Hitparade war. Ich sag mal Stichwort Stockhausen, Cage und so. Verrückte Musik hat mich immer interessiert (lacht), mein ganzes Leben. Und an diesem Stand wo ich dann immer rum gestanden hab und immer zugehört hab, Schallplatten gekauft hab, da kam dann auch mal Gudrun Gut und Mark Eins vorbei und die ganze spätere DIN A Testbild- Riege. Ja und dann hat der Burkhard Seiler im damaligen „Punkhouse“, – das ist am Q-Damm – und später dann im SO 36 Schallplatten verkauft. Ja und so bin ich dann irgendwie rein geschlittert. (Auszug aus: Musik machen, Krach machen, Töne machen, Interview mit Frieder Butzmann)

Ulli Putsch: „Dann hörte ich mit 12 Jahren ‚Monstermovie‘ von Can, und so was ganz anderes wie John Mail and the Bluesbreakers. Ich fand den Rhythmus total toll und beschloss mir ein Schlagzeug zu bauen. Dies wurde aus Waschmitteltrommeln bewerkstelligt. Fortan ging ich meinen Eltern mit diesem Ding auf den Geist. Mit 14 hatte ich meinen Vater soweit, dass er bereit war mir ein Schlagzeug zu kaufen.“
[…] Bei ihrem nächsten Besuch in Düsseldorf wurden S.Y.P.H. zum ersten Punkfestival eingeladen, das im Craschhaus (ein Haus das 1915 erbaut wurde, Anfang der 1980 wegen dem U-Bahnbau abgerissen wurde, danach aber wieder unter Verwendung der alten Steine originalgetreu wieder errichtet wurde) stattfinden sollte. Nun brauchten Schwebel und Braatz weitere Musiker.
Und damit kommen wir zurück in die Schreinerei von Herrn Putsch, wo Ulli Putsch und Uwe Jahnke ins Gespräch über Musik gekommen waren.
Ulli Putsch: „Uwe Jahnke war es, der mich zu einer ersten Probe in die Bar von Thomas Schwebel – damals der zweite Gitarrist – mitnahm. Dort fand sozusagen die echte Geburt von S.Y.P.H. statt. Man sagte mir damals: ‚Du must nur schnell spielen, egal was.‘ Es war aufregend und was ganz anderes. Peter hatte ja schon viele Texte geschrieben und ein Auftritt stand auch schon an. Nun war die Zeit reif und wir mussten schnell einen Set zusammenbasteln. Vorlaufzeit war nur zwei Wochen.“
Als S.Y.P.H. dann als Band im Carschhaus auftauchten, waren die Düsseldorfer überrascht. S.Y.P.H. gab es tatsächlich und die Stücke „Zurück zum Beton“ und „Industrie-Mädchen“ wurden von da an zu Hits der Band. Weiterhin orientierte sich die Band in Richtung Düsseldorf.
Ulli Putsch: „Unsere Orientierung nach Düsseldorf hatte eigentlich mehr praktische Gründe. Hier waren Leute die unsere Musik mochten. Im Ratinger Hof war der Bär los und so traf man sich dort. Meißtens fuhren wir am Wochenende mit meinem großen alten Ford Transit gemeinsam nach Düsseldorf.“ (Auszug aus S.Y.P.H. – Eine Annäherung. Biografisches und Interview mit Ulli Putsch)

Auswahldiscografie/-biografie (A-G) mit deutschen Punk-, New Wave und einigen Old School-NDW-Bands

Vorgestellt werden: 08/15, 1. Futurologischer Congress, 20 Colors, 39 Clocks, The 1980s, A5, Abwärts, Aheads, Alexander von Borsig, Die Alliierten, Alu, Alvi & Alviettes, Aram und die Schaffner, Armutszeugnis, Aroma Plus, Artless, Die Ärzte, Asmodi Bizarr, Die Atlantikschwimmer, Aus Lauter Liebe, Die Autos, Aqua Velva, Bärchen und die Milchbubies, Belastungsprobe, Belfegore, Bergtraum, Beton Combo, Beatklub, Big Balls And The Great White Idiot, Bits, Bizarre Leidenschaft, Blässe, Bildstörung, Blitzkrieg, Blumenschein, Tabea/Butzmann, Frieder/Köster, Bettina/Gut, Gudrun, Blumen ohne Duft, Blut + Eisen, Bluttat, Boa, Phillip and The Vodoo Club, Boskops, Boss & Beusi, Brausepöter, Buschband, Buttocks, Butzmann & Sanja, Frieder Butzmann, Camp Sophisto, Canalterror, Carambolage, Carmen, Cassiber, Channel Rats/Rafgier, Chaos Z, Chim Chim Cheree, Chor der Gefangenen, Christiane F., Christiana, Clox, Code 7, Cretins, Croox, C.U.B.S., Cyan Revue, Daily Terror, Gabi Delgado, Deutsch Amerikanische Freundschaft, Deutscher Kaiser, Deutschland Terzett/O.R.A.V.S., Deutsche Trinker Jugend, Didaktische Einheit, Detlef Diederichsen, Dig It Al(l), Din A 4, DIN A Testbild, Disque-OMO, Die Dominas, Don Bartnik, Jürgen Dönges, Andreas Dorau, Die Doraus und die Marinas, Double Feature (Dörper/Zimmermann), Dortmund, Dr. Misch, Dunkelziffer, D.U.R., Der Durstige Mann, EA 80, Ede + die Zimmermänner, Einstürzende Neubauten, Exkurs, Fähnlein Fieselschweif, F.A.K., Falsche Fahnen, Der Favorit, Familie Hesselbach, Family 5, Fehlfarben, Feltmann trommelt, FKK Strandwixer, Der Fluch, Flucht nach Vorn, Flying Klassenfeind, Foyes des Arts, Fred Banana Combo, Freunde der Nacht, Freiwillige Selbstkontrolle, Front, Geile Tiere, Der Gegenschlag, Geisterfahrer, Die Gesunden, Gesundes Volksempfinden, Andy Giorbino, Giorbino/Eldorado, Heiner Goebbels & Alfred Harth, Die Goldenen Vampire, Max Goldt, Robert Görl, Peter Gordon/Thomas Fehlmann, Grauzone, Grober Unfug, Grosse Freiheit.

Platten und Plattenkritiken: Abwärts, EP, „Computerstaat“/“Japan“/“ Wir warten“/“Nach Haus“/“Moon of Alabama“, ZickZack ZZ 2, 1980
„Debüt Platte der beim Geräusche-Festival in Hamburg erstmals aufgetretenen Band, die manchen durch ihre monoton geprägte Gitarrenmusik an Wire bzw. Velvet Underground erinnern. Bemerkenswetestes Stück auf der EP: die Moon of Alabama`-Version.“ (Alfred Hilsberg, Rock Session 4, 1980)
Abwärts, LP, „Amok Koma“, ZickZack ZZ 10, 1980
„Diese LP besteht aus zwei äußerst unterschiedlich konzipierten und aufgenommenen Seiten. Das macht sie mir sympathisch aber auch problematisch: bewegt sich Seite 1 mehr in Richtung Avantgarde/ Techno-Wave, so dominieren auf Seite 2 eher Wildheit und Spontanität.[. . .] Vor allem ‚Türkenblues‘ ist der Helle Wahnsinn. Kein Entkommen! [ . . .] Nicht minder phantastisch ‚Unfall‘, ‚Mehr‘ und ‚Japan‘ (live beim Geräusche Festival), ebenfalls auf der zweiten Seite [. . .] Zurück zur Seite 1; den Pop-Songs (u.a. ‚Monday on my mind‘ und ‚Softly, Softly‘): wer auf DAF, PIL oder Silicon Teens abfahren kann, sollte die Kopfhörer schon mal bis zum Anschlag aufdrehen. Ich vermisse hier allerdings etwas den Spaß, den Spielwitz, den fetzigen Rock ’n‘ Roll von Seite 2.“ (Hollow Skai, Sounds 10/1980)
Abwärts, 7inch, „Roboter in der Nacht“/“Für Mutti“, ZickZack ZZ 28, 1981
„Erster Eindruck: ‚Roboter in der Nacht‘ ist gediegene Abwärts-Qualität. Die ‚Computerstaat‘ und ‚Maschinenland‘- Mentalität dürfte musikalisch-textlich wieder den Nerv der Zeit treffen, aber Themenwechsel wär‘ nicht schlecht. James Browns ‚Sex Maschine‘ stand entfernt Pate bei ‚Für Mutti‘.“ (Werner Jakobs, Sounds 3/1981)
Abwärts, LP, „Der Westen ist einsam“, Mercury/Phonogram, 1982
„Die ganze LP durchzieht, was die Melodien anbelangt, eine erschreckende Ideenarmut. […] Es gibt so gut wie gar keine Melodien. Dafür allerdings Trommeln satt […] Und zu allem Ãœberfluß hat man auch noch Frank Zs Stimme so weit in den Hintergrund gemixt, daß von den teilweise recht guten und engagierten Texten oft nicht die Bohne zu verstehen ist.“ (Jörg Gülden, Sounds 4/1982)
„Ich war zwar von Anfang an begeistert, aber viele meiner Freunde, und ich glaub auch der durchschnittliche ’neue-deutsche- Welle‘-Konsument werden es sehr schwer haben, mit dieser LP warm zu werden […] Macht man sich aber die Mühe, und hört intensiver auf das wuchtige, lockere Schlagzeug, den wummernden Bass, die Nebelschwaden der Keyboards und auf den wirklich erotischen Gesang von Frank Z. und besonders F.M. Einheit auf Deprimiert‘, dann wird man dafür belohnt […] Obwohl die Platte sehr kurz ist, sind hier zehn hervorragende Ideen auf einen bestimmten Punkt gebracht, wo ich nur noch feststellen kann, daß es besser nicht geht.“ (Harry Rag animiert durch Jörg Güldens Kritik im Vormonat, Sounds, 5/82)
Abwärts, 4-Track-Maxi, „Beirut Holiday Inn“/“Liz & Richard“ + 2 LP Titel, 1982
Abwärts, 7inch, „Olympia“/“Man of Poor Beginning“, Totenkopf, 1984
Bandbiografie: Abwärts wurde 1979 gegründet. Am 29.12.1979 spielten sie beim „Geräusche für die 80er“-Festival in der Hamburger Markthalle. Zur ersten Besetzung gehörten Frank S. (Gesang, Effekte), Frank Z. (Gitarre, Gesang, Kompositionen, Texte), Axel D. (Schlagzeug), Gibo (Bass) und Margitta (Gesang Geige). Aus dem Dortmunder Frank S. wurde F.M. Einheit, auch ‚Mufti‘ genannt (im Ruhrgebiet bei Berta and Friends, wo auch Reinhard Falk, später Gesundes Volksempfinden, war), Frank Z. (Ziegert) blieb Frank Z. (er war früher bei Big Muff), aus Axel D. wurde Axel Dill, Gibo war wohl jener Gisbert der mit Dill bei Blender war und Margitta war Margitta Haberland. In dieser Besetzung wurde dann auch die erste 7inch eingespielt, mit dem tollen „Computerstaat“. Das NO FUN-Label kündigte die Platte noch in ihrem ersten Label-Katalog an, erschien dann aber auf dem gerade gegründeten ZickZack-Label von Alfred Hilsberg. Auf dem Beiblatt zur ersten LP wird dann als Bassist der in Leeds geborene Mark Chung genannt, der zuvor bei der Buschband gewesen sein soll. Dill und Chung waren mit dem Fotograf Bodo Dretzke Der Favorit. Frank Z. produzierte 1982 die „Incubus Succubus“-Maxi von Xmal-Deutschland. F.M. Einheit ist zeitweilig der Schlagzeuger in der ersten Besetzung der Hamburger Palias Schaumburg. Zusammen mit Mark Chung war er dann auch bei den Berliner Einstürzenden Neubauten um Blixa Bargeld. Auf der zweiten LP spielte Margitta Haberland dann nicht mehr mit, sie hat die Band 1981 verlassen. Der zweiten LP folgte eine Maxi mit dem recht guten „Beirut Holiday Inn“. F.M. Einheit und Mark Chung spielten fortan nur noch bei den Einstürzenden Neubauten. Ãœbrig blieb das Duo Frank Z. und Axel Dill, die dann 1984 auf Totenkopf eine 7inch veröffentlichten. Nach einer kurzen Zusammenarbeit mit Nainz Watts von Psychic TV, trennen sich Frank Z. und Axel Dill. 1987 macht Frank Z. dann mit neuen Musiker als Abwärts weiter. Im Laufe der Jahre kamen dann noch ein paar Abwärts-Platten raus. F.M. Einheit spielte zeitweise auch wieder mit. 1989 war Frank Z. dann auch Mitglied in der letzten Besetzung von Xmal-Deutschland zusammen mit Wolfgang Ellenbrok und Anja Huwe und in den 90ern hat er dann auch noch eine Solo-CD herausgebracht. Mark Chung sah man als Geschäftsführer des Musikverlag „Freibank“ sowie „Play It Again/Deutschland“.
Literatur:

  • N.N., „Auf- und Abwärts“, In: Sounds, Hamburg, Nr. 5/1980 (Jahrgang 12), Seite 14
  • Diederichsen, Diedrich, „Amok auf dem Abtenteuerspielplatz – Abwärts“, In: Sounds, Hamburg, Nr. 2/1981 (Jahrgang 13), Seite 28 – 30
  • Burchardt, Alf, „Kampf um Rom“, Spex, Köln, Nr. 11/1983, (Jahrgang 4), Seite 9
  • Ljubojevic, Dragan, „Abwärts, weg vom Faktum vorbei an der Industrie“, Spex 10/1981, (Jahrgang 2), Seite 25
  • Geigenschrey, Thomthom, „Abwärts“, Zillo, Lübeck, Nr. 6/ 1990 (Jahrgang 1), Seite 14 – 17

Platten und Plattenkritiken: Deutsch amerikanische Freundschaft, LP, „Ein Produkt der Deutsch amerikanische Freundschaft „, Ata Tak Warning Records WR 001, 1979
„Eine Aneinanderreihung instrumental gespielter Kompsitionen, Improvisationen, Versatzelemente. Die sicher eher bescheidenen Produktionsverhältnisse wurden konsequent genutzt, die musikalischen Fähigkeiten und Interessen zum Ausdruck zu bringen [. . .] Die Band kann nicht vergessen machen, daß ihr spanischer Sänger die Gruppe damals verlassen hatte. Er prägte die Band, hat den technisch allzu ernsthaft bemühten Instrumentalparts erst den faszinierenden, sinnvollen Ausdruck mit seinen deutschen Texten gegeben. [. . .] So kann es bestenfalls dazu beitragen, eingefahrene Hörgewohnheiten manch (einzelnen) Rock- und Punk-Fans aufzureisen. Mehr als interessantes Kunstgewerbe ist das nicht.“ (Alfred Hilsberg, Sounds 10/1979)
Deutsch amerikanische Freundschaft, 7inch, „Kebabträume“/“ Gewalt“, Mute, 1980
„Auf Mute Records ist eine im Vergleich zur Mittagspause viel dynamerischere, lockere Version des Militürk-Songs erschienen. B-Seite: ‚Gewalt‘, ein bedrohlich-beklemmendes Stück.“ (Alfred Hilsberg, Sounds 3/1980)
Deutsch amerikanische Freundschaft, LP, „Die Kleinen und die Bösen“, Mute, 1980
„Die D.A.F. haben es geschafft, als erste der neuen deutschen Gruppen internationale Anerkennung zu finden und ein internationales Produkt zu machen. Zu den spanischen und deutschen Songs sind die Songtexte sogar dreisprachig abgedruckt. Die LP ist durchgehend entfernt von populär klingenden Songstrukturen, wie sie bei ‚Ich und die Wirklichkeit‘ noch vorherrschend waren. Bestimmt durch starke Rhythmuselemente und schwirrende Synthi-Klänge ist die Platte jedoch ungeheuer dynamisch geworden und kann getrost als Tanzplatte bezeichnet werden.“ (Alfred Hilsberg, Rock Session 4, 1980)
„Die A-Seite und das erste Stück der B-Seite wurden in den Kölner Plank-Studios mit Conny Plank als Toningenieur aufgenommen. Die B-Seite ist im übrigen ein Ausschnitt aus dem Konzert, das die D.A.F. als Vorgruppe von Wire im Electric Ballroom in London gaben.[. . .] Die Platte enthält kein easy listening, wie es D.A.F. noch mit den ‚Kebab-Träumen‘ angeboten haben. Wesentlich am ’neuen‘ Stil der Gruppe ist ein metallischer, härterer Klang [. . .] Drei Stücke der A-Seite sind mir besonders erinnerlich: ‚Co Co Pino‘ ist einfach ein unglaublich aufregendes Stück Rock-Musik. Roboterhafte, maschinenartige Sound-Strukturen in ‚Nachtarbeit‘. ‚Ich gebe dir ein Stück von mir‘ ist ein – vor allem durch das Zerstörerische des Synthis – unbeschreiblich häßliches Liebeslied. Während ich das ‚Gewalt‘-Intro auf der B-Seite im Vergleich zur Single-Fassung etwas überflüssig finde, ragen aus dem Live-Mitschnitt wieder drei Titel heraus: ‚Volkstanz‘ und ‚Die lustigen Stiefel‘ sind intensiv morbide Beschreibungen von Kultur-Zerfall. Und dann ‚Ich bin die fesche Lola‘: eine zeitgemäß aufbereitete, brüllende, üblen Nachgeschmack erzeugende Interpretation des Diedrich-Songs.“ (Alfred Hilsberg, Sounds 7/ 1980)
Deutsch amerikanische Freundschaft, 7inch, „Der Räuber und der Prinz“/“Tanz mit mir“, Mute, 1980
„Musikalisch (ist) eine eindeutige Tendenz zu besserer Konsumierbarkeit festzustellen, zieht man mal große Teile der KLEINEN- LP zum Vergleich heran. Während das kleine Lied ‚Der Räuber und der Prinz‘ einfach und durchsichtig gebaut ist [. . .], hat ‚Tanz mit mir‘ unglaublichen, energischen Schwung. [. . .] Wir sind damit eindeutig einen Schritt weiter, ‚Tanz mit mir‘ setzt Maßstäbe, mit denen gemessen werden wird.“ (Hans Keller, Sounds 1/81)
Deutsch amerikanische Freundschaft, LP, „Alles ist gut“, Virgin, 1981
„Wahrnehmbare, weil wirksame Einschnitte in der jungen Geschichte der neuen deutschen Musik gibt es bisher nur wenige: Die Mittagspause-Doppel-EP gehört dazu, die erste SYPH-LP, GERI REIG von der Plan und, noch nicht ganz abzusehen, Wirtschaftswunder und Palias Schaumburg. Und zweifellos DIE KLEINEN UND DIE BÖSEN, die zweite LP der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft. [. . .] Die neue DAF-LP dürfte das Wutgeschrei einiger selbsternannter Avantgardisten unüberhörbarmachen: Disco-Scheiße, Kommerz, Rückzug in die Innerlichkeit. ALLES IST GUT war einfach nicht zu erwarten. [. . .] Ein widersprüchliches, faszinierendes Album, das bisher eindeutig öffentlichste und kommerziellste Werk der DAF.“ (Alfred Hilsberg, Sounds 4/1981)
Deutsch amerikanische Freundschaft, 7inch/12inch, „Mussolini“/“Der Räunder und der Prinz“, Virgin, 1981
Deutsch amerikanische Freundschaft, LP, „Gold und Liebe“, Virgin, 1981
„Musikalisch knüpft DAF an das Rezept der Reduzierung an: Gesang von Gabi und Sequenzer und Schlagzeug von Robert Görl sind nach bekannten Mustern eingesetzt. Nur wenige Songs bleiben deshalb so hängen, wie bei ALLES IST GUT. ‚Sex unter Wasser‘ gehört zu den besten Stücken. Die Naßzellen-Odysee machte Beate Uhse zur Banalität. [. . .] Mir fehlt eine Hymne, so wie es ‚Alle gegen Alle‘ oder ‚Tanz den Mussolini‘ auf ALLES IST GUT waren. ‚Greif nach den Sternen‘ mit seinem New-Romantic-Touch vielleicht? Wenn‘ s schneller wäre. [. . .] GOLD UND LIEBE ist trotz aller Verfeinerungen, bei allem Bemühen um Melodien, die fast an Schlager gereichen, ein Stillstand. Ein Auskosten, eine Festigung des Erfolges. Den Überraschungseffekt, die Aura, den Unerreicht-Schein haben DAF verloren.“ (Alfred Hilsberg, Sounds 12/1981)
Deutsch amerikanische Freundschaft, LP, „Für immer“, Virgin, 1982
Deutsch amerikanische Freundschaft, 7inch/12inch, „Kebab-Träume“/“Ein bisschen Krieg, Virgin, 1982
Deutsch amerikanische Freundschaft, 12inch, „Absolute Body Control“, Ariola, 1985
Bandbiografie: Deutsch amerikanische Freundschaft, Michael Kemner, Kurt Dahlke und Wolfgang Spelsmann nannten sich 1978 YOU und lebten zu der Zeit im Bergischen Gevelsberg bei Wuppertal. Auf der Suche nach einem Schlagzeuger fanden sie Robert Görl. Der hatte sich in Düsseldorf auch schon mit Gabi Delgado-Lopez, der bisher in Düsseldorf bei Charlies Girls und Mittagspause aktiv war, Gedanken über eine Band gemacht. Zusammen mit Delgado nannte sich YOU dann später DAF. Die erste LP wurde dann allerdings nur von Kemner, Dahlke, Spelsmann und Görl – ohne Delgado aufgenommen. So in der Art wie die Musik auf der „Produkt“-LP könnte sich die Musik von YOU angehört haben. Wenig später steigt dann Delgado wieder als Sänger ein. Bei einem Auftritt von DAF in der Hamburger Markthalle ist der Engländer Robert Giddens, ein Schreiber des englischen ZigZag-Magazins, einer der Gäste. Giddens lebte schon zu der Zeit im norddeutschen Quakenbrück bei Osnabrück und arbeitete schon damals in der Fabrik für die er heute auch die Internetseite erstellt. Zusammen mit ihm siedelte DAF nach England auf der Suche nach einem englischen Plattenlabel. Giddens, der mal sagte, man würde ihm noch auf den Grabstein schreiben, er sei der Manager von DAF gewesen, hatte danach mit der Band nicht mehr viel zu tun. In Quakenbrück gründete er das kleine Label Outatune und seine Band Surplus Stock.
Statt Kurt Dahlke bediente nun Chrislo Haas bei DAF den Synthesizer. Bekannt ist der Auftritt zusammen mit Wire im Electric Ballroom in London, ein Teil der Aufnahmen befindet sich auf der zweiten LP. Als Label findet die Gruppe Daniel Millers Mute-Label, das zuerst die „Kepabträume“-7inch und dann die „Die kleinen und die Bösen“-LP heraus brachte. Die Aufnahmen finden ohne Kemner statt, der mittlerweile bei den Fehlfarben spielte. Danach steigt dann auch Spelmanns aus. Bei Auftritten stehen nun Görl und Delgado auf der Bühne, Tina Schneckenburger bediente auf der Bühne die Kassettenrecorder, da Görl nicht gleichzeitig die Synthesizer bedienen und Schlagzeug spielen konnte. Tina Schneckenburger war in Wuppertal bei der Band Die Rächer und hat mit den Delgado-Geschwistern in Wuppertal das „Stomp“-Fanzine gemacht. Später war sie neben Jürgen Engler und Bernward Malaka Mitglied bei Die Krupps. 1981 nahmen DAF ihre beiden erfolgreichsten LPs „Alles ist gut“ und „Gold und Liebe“ auf. Da die beiden eine gewisse „Inflation“ verspürten, beschlossen sie, daß „Für immer“ ihre letzte LP sein sollte. Bis 1985 gingen Görl und Delgado getrennte Wege. Dann kam zunächst die 12inch „Absolutely Body Control“ heraus und dann die LP „1st step to heaven“ (Ariola, 1986). Darauf befinden sich kleine Hits wie „Voulez Vous Coucher Avec Moi“ oder „Brothers“.
Literatur:

    • Hilsberg, Alfred, „Neue deutsche Welle – Aus grauer Städte Mauern“, In: Sounds, Hamburg, Nr. 10/1979 (Jahrgang 11), Seite 20 – 25
    • Hilsberg, Alfred, „Punk Emigration“, In: Sounds, Hamburg, Nr. 11/1979 (Jahrgang 11), Seite 7
    • Hilsberg, Alfred, „Aus grauer Städte Mauern (Teil 2) Dicke Titten und Avantgarde“, In: Sounds, Hamburg, Nr. 11/1979 (Jahrgang 11), Seite 22 – 27
    • Hilsberg, Alfred, „Wirklichkeit durch die Küchentür“, In: Sounds, Hamburg, Nr. 6/1980 (Jahrgang 12), Seite 14
    • Hilsberg, Alfred, „Der Räuber und der Prinz – Deutsch-amerikanische Freundschaft“, In: Sounds, Hamburg, Nr. 3/1981 (Jahrgang 13), Seite 28 – 31
    • Röckenhaus, Freddie, „DAF – Hautfarbe: Dezent“, Spex, Köln, Nr. 8/1985, (Jahrgang 6), Seite 27
    • Teipel, Jürgen, „Verschwende deine Jugend“, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M., 2001 (verschiedene Stellen)

(Auszug aus „Auswahldiscografie: German New Wave und Punk Umfeld 1977 bis 1985, A – G“, hier „Abwärts“ und „Deutsch amerikanische Freundschaft“)