Leseprobe Blechluft 3

„Dies ist Hamburg und nicht Seattle, Dirk“ – Edition Blechluft 3

 

BL3

YAHAHIHI,YAHAHIHI. Der Auftrag der auf dem Blatt gestanden hatte, war eigentlich nicht schwer, aber auch nicht kinderleicht, denn das Problem war, dass ich zuwenig von der Materie verstand. Klar wußte ich gleich was er von mit wollte und war auch sofort gegeistert, aber er sprach Sachen an, von denen ich noch nie gehört hatte. Wer waren Hallelujah Ding Dong Happy Happy, Die Gants, We Smile und vor allem wer oder was nannte sich Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs? Und L’age D ‚or sagte mir eigentlich auch wenig. Klar, Hamburger Schule, Die Sterne, Tocotronic und vielleicht gehörten auch Blumfeld dazu. Das ließe sich sicherlich alles klären.[…]
Auf einer Seite des Indigo-Vertriebes wurde auf den Sampler „Geräusche für die 90er“ hingewiesen, mit „Religion Is No Joke“ von Hallelujah Ding Dong Happy Happy und „Hund“ von Kolossale Jugend. „Oh, verdammte Scheiße“, rief ich. Diese Platte hatte ich erst in der letzten Woche in einem Secondhand-Plattenladen gesehen, aber gelangweilt stehen gelassen.
Ich sprang direkt in die Jacke und fuhr mit der U-Bahn zu dem Laden. Natürlich hatte ich Angst, dass mir jemand zuvor gekommen war […]
Zuerst wollte ich aber diesen „Hamburg nicht Boston“-Sampler von 1989 anhören. Der beginnt mit dem Stück „Dwarfs 98“ von Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs. Nun, das ist Heavy Metal, Hardcore. „Gib mir mal ein Bier“, rief ich Volker zu. Das würde viel Arbeit geben. […] Das Stück von Carol v. Rs. Band Die-Gants ist dann lupenreiner Wave, den man nur in den 80ern machen durfte, damit man als Band nicht als Retro verschriehen ist. „Leading“ wäre in jeder Wave-Disco gern gespielt worden. […]
In einer 86er Ausgabe [der Spex] stand etwas über Cpt. Kirk & drin, die sich gerade von Cpt. Kirk & his incredible lovers zu Cpt. Kirk & umbenannt hatten und nun eine Platte („Stand rotes Marid“) bei Whats So funny about machen wollten. Im Februar wurde von einer Veranstaltung („Soul-All Nighter“) im KIR berichtet, die von „Hamburgs Nummer-Eins-Beat Band Die Antwort“, der Band von Bernd Begemann, veranstaltet wurde. Es spielten neben der Antwort: Venustropfen, Butterfly Collectors, Timo Blunck Band […]
Der Plattenkritik (9/94) von Christoph Gurk zur zweiten Blumfeld-LP „L’Etat Et Moi“ wurde ein Zitat von Dirk von Lotzow vorangestellt: „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein.“ ‚Dirk von Lotzow? Muß man den kennen?‘, haben sich vielleicht einige Spex-Leser gefragt. Erst in der Oktober Spex wurde die Tocotronic Single mit der genannten Zeile vorgestellt.
(Auszug aus „YAHAHIHI,YAHAHIHI“, eine Recherchegeschichte).

Außerdem werden in dem Artikel („Story im Stil eines Groschenheftkrimis“ D. Decker) erwähnt: Arthur Dent, Frank Spilker, Die Freie Garage, Die Goldenen Zitronen, Brosch, Die Regierung, Huah, Das Neue Brot, Bernadette Hangst, Mense Reets, Workshop, Sensorama, Les Robbespierres, Rocko Schamoni, Stella, Egoexpress, Die Allwissende Billardkugel, Guz, Mastino, Ascii.Disko, Superpunk, 1/2 Couch…

 

OLAF KRAEMER: Angefangen hat es 1978 in Göttingen. In einem Plattenladen namens Boots, benannt nach einer Sixties-Band aus Hannover, in dem Frank [Dieckmann], der auch aus Hannover kam, als Schallplattenverkäufer arbeitete. Der Laden hatte als einziger in der Stadt Importpressungen und Neuerscheinungen von unabhängigen Plattenlabels. Hinter diesen Platten verbarg sich die ganze Philosophie von frei fließender, unkontrollierbarer Subkultur. Sie waren in unseren Augen hochgradig subversiv und unberechenbar. Alle zwei Wochen kamen die verklebten Kisten mit jeweils ein oder drei Exemplaren merkwürdiger Sounds und Cover aus England und den USA, wie Wundertüten. Jede Platte darin ein neues Mem, dass sich in einigen Köpfen replizierte, die so genannten old farts oder hippies aber zum Glück verschonte. Ich war achtzehn oder neunzehn und hoch beglückt eine eigene Kultur mit eigener Sprechweise zu finden. Am Anfang gab es die Bezeichnungen Punk und New Wave noch nicht wirklich, die Musik war Genre übergreifend, fließende Ãœbergänge zwischen Hardcore und Kunst. Frank und ich waren besonders von den Residents und einer frühen Platte von Devo fasziniert, die Brian Eno produziert hatte. Dann Throbbing Gristle und in meinem Fall auch sehr die Clash und Sex Pistols.
(Auszug aus „Huckepack und zu Hunderten“).

 Auswahldiscographie: German New Wave und Punk Umfeld 1977 bis 1985, N – S

Vorgestellt werden: Nachdenkliche Wehrpflichtige, Name, Napalm, Neonbabies, Neues Deutschland, Neurotic Asseholes, Nichts, Niveau Null, No More, Organbank, Östro 430, P1/E, Pack, Padeluum und die Publicity Band O.N.M., Palias Schaumburg, Panzerknacker AG, Die Partei, The Petticoats, Petticoat/Crash, The Petticoats, P.D., Pension Stammheim, Permutative Distorsion, Phonophobia, Phosphor, Der Plan, Plaza Hotel, Populäre Mechanik, Prinz Polariod und der freie Westen, Die Profis, Propaganda, Pseiko Lüde & die Astros, Pseudo Elektronixx, Psychotic Tanks, Punkenstein, Pyrolator, Quick Culture, Die Radierer, R.A.F.Gier, Rainy Day Woman, Razors, Die Regierung, Reifenstahl, Residenz, Rex Dildo, Rexiw, Rotzkotz, Saal 2, The Salions, Scala 3, Schlaflose Nächte, Seen links/Schlösser rechts, Schön, Die Schönsten, Nina Schultz, Mattias Schuster, Schwarz Weiss, Sender X, Xao Seffcheque und die Post bzw. der Rest, Siluttes 61, Ski und der Rest, Slime, Soilent Grün, Splitter, Sportsmann, Sprung aus den Wolken, Stille Hoffnung, Strafe für Rebellion, Tommi Stumpff, Strassenjungs, Stunde X, Surplus Stock, Die Suurbiers, S.Y.P.H., System

 Platten und Plattenkritiken: Der Plan, 7inch, Selbstverlag, 1979 („Das Fleisch“, ART ATTACK 1979)
„Die Aufnahmen dieser Platte wurden in der Wohnung/im Studio von Art Attack, einer Ex-Wuppertaler Künstler-Jazz-Gruppe, sämtlich mit einem Kassettenrecorder gemacht. Die technischen Eigenschaften entsprechen allerdings dem musikalischen Inhalt: die Plan-Geräusch-Collagen gehen nicht in die Beine, sondern wollen/können alle möglichen Gefühle ansprechen und teils bedrohliche Assoziationen auslösen.“ (Alfred, Hilsberg, Rock Session 4, 1980)
„Hier benutzt der Plan noch teilweise gängige Strukturen; Schlagzeug und Gitarre sind auch noch dabei. Das Meiste ist wohl mehr oder minder improvisiert, aber Frank Fenstcrmacher erzählte mal, daß sie das immer so machen Höhepunkt ist wohl das Fleisch, wild und zerrissen.“ (Andreas Müller, Wellenreiter (Bonn), Nr. 2/1980)
Der Plan, LP, „Geri Reig“, Ata Tak WR 003, 1980
„Erffrischend eigenständige Collagc aus Avantgarde-Tönen und melodiösen Elektronik-Ohrwürmern. Einflüsse von Westcoast Gruppen wie Residents und englischer neuer Musik, aber auch deutscher Elektronik der 70er Jahre sind zu spüren, aber Konzept und Inhalt des Plan bleiben autonom und machen die Düsseldorfer Gruppe zu einer der wichtigsten Entdeckungcn hierzu Lande.“ (Altred Hilsberg, Rock Session 4,1980)
„Jetzt wird’s ernst: der Plan hat fertiggebracht, worauf nicht nur ich jahrelang gewartet habe: eine neue Volksmusik. Ein absolut gefährliches Nonsens-Produkt, der Start zum Weltaufstand, in dem der Rock ’n‘ Roll untergeht und GERI REIG entsteht Geri Reig = Volksmusik. Jeder kann so was machen, und die Platte müßte eigentlich vielen Leuten viel Mut machen. . . . Hört diese Platte macht selbst was!“ (Alfred Hilsberg, Sounds 3/1980)
Der Plan, 7inch, Seite 1: „Da vorne steht ne Ampel“ Seite / „Rot Grün Tot“, Ata Tak WR 005, 1980
Der Plan, 7inch, Seite 1: „Da vorne steht ne Ampel“ Seite 2J „Rot Grün Tot“, Teldcc 6.13.443,1982
„Die Hits des Monats kommen von der Elektronik- Front. . . Der Plan aus Düsseldorf mit ,Da vorne steht ne Ampel‘ . . . ist ein Teil des Gerireigischen Projekt der Düsseldorfer, die StVO zu ändern. Auch die Rückseite beschäftigt sich mit gewohntem Witz und Charme mit roten/grünen Ampeln.“ (Diedrich Diederichscn, Sounds 8/1980)
„Endlich ist die neue Singel von Deutschlands begabtester Pop Band da, beide Seiten sind tolle Ohrwürmer und die Texte sind auch toll. Wer nur Zeichen sieht ist tot, oh weie wahr.“ (Tesa Film [ Andreas Müller ], Datenverarbeitung, Nr.5/1 980)
Der Plan, 7inch, „Wir werden immer mehr“ / „8 1/2“, AtaTakWR011, 1981
Der Plan, LP, „Normalcttc Surprise“, Ata Tak WR 007, 1981
„15 neue Schlager aus Düsseldorfs Pop-Factory, 15 beschwinge kleine Single-Hits à la ,Da vorne. . .‘ . . . Diesmal wird zwar niemand schreien: ,Genial!‘; denn die fundamentale Ãœberraschung hat der Plan ja schon mit seiner ersten lP geliefert. . .
,Fr. Nicol‘, ein straightes, aber freches, jungshaftes Liebeslicd . . . ,Renate‘, eine Tragikomödie über Haushaltsunfälle; ,Ich geh zurück in die Atmosphäre‘, ein Song, für den es bereits vor seiner Veröftentlichung einen Fan-Club gab; ,Generäle essen Erdbeereis‘ – die schönste Melodie der Platte und ,Das Insekt‘ – der Song für die Tiefsinnigen.“ (Diedrich Diedcrichsen, Sounds 4/1981)
Der Plan, LP, „Die letzte Rache'“, Ata Tak WR 017 , 1983
Der Plan, 7inch/12inch‘?, „Gummi twist“ / „Space bob“, WEA, 1983
Der Plan, Do-7inch, „Golden Cheapos“ mit: „Glitzer – Gleiter“ / „Hey baby hop“ / „Europa – Hymne“ / „Lipizzaner – Eskapade“, Ata Tak WR 23,1984
„Der Plan schreibt neuerdings Hymnen – nahezu instru- mental, mit dem bekannten infantilen Charme und Leierkasten-Atmosphäre. Mit ,Hey Baby Hop‘ schielt man glattweg nach alternativer Dancecharts.“ (Frank Lähnemann, Spex 1/1985)
Der Plan, LP, „Fette Jahre“, Ata Tak WR 34, 1985
Bandbiografie: Mortiz R [Rrrr wie Reichelt] und Frank Fenstermacher betrieben in Wuppertal die kleine Galerie Art Attack und machtcn zuerst als Karmann Ghias und kurz später als Weltaufstandsplan Musik. Kurt Dahlke gehörte zur Gruppe YOU die in Gevelsberg wohnte und sich später in Deutsch-Amerikanische-Freundschaft umbenannte. Zusammen mit Chrislo Haas und Robert Görl von YOU machten R und Fenstermacher einige Aufnahmen mit Fenstermachers Diktiergerät im Keller von Mittagspause Gitarrist Franz Bielmeier. An eine Veröffentlichung wurde zunächst nicht gedacht. Weltaufstandsplan hatte wenig später in Hamburg einen Auftritt in der Markthalle. „Als erstes tritt der Weltaufstandsplan in kraft (oder besser gesagt in krampt) das warn zwei leute: stimme /synthesizer und gitarre/ synthesizer. einer war der mann von art attack… wer davon schön gehört hat, weiß, was von der bühne kam: keine musik! ! ! geräusche, lärm, texte: abstrakte gedicht aufsagen: kurz – der gegensatz von rock’n’roll, totale mittelstandskultur, oder anders: nich mein Fall …“, konnte man im Hamburger Fanzine „Preiserhöhung“ (zitiert in Sounds 10/1979) über den Auftritt lesen. Zusammen mit dem Bassisten Kai Horn absolvierte Weltaufstandsplan einen Auftritt in Neuss und einen in Gelsenkirchen. Mittlerweile hatte sich die Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF) mit Görl, Haas. Dahlke, Michael Kemner, Wolfgang Spelmans und Gabi Delgado-Lopez gebildet. DAF nahm ohne Gabi Delgado-Lopez eine LP auf, die Dahlke als erste Platte auf seinem Label Warning Records veröffentlicht. DAF siedelte dann mit Gabi Delgado-Lopez, aber ohne Kurt Dahlke nach England. „Damals hab ich allein in Wuppertal gewohnt, neben ’ner Fabrik. Wenn die dann um 7 Uhr morgens anfingen mit den Maschinen … da hat sich also dann bei mir ’ne Agression gegen Maschinen aufgebaut. Ich hab meine Agressionen dann aber handfest umgesetzt, indem ich mich an den Synthesizer rangesetzt hab. […] Moritz wohnte damals zusammen mit Frank in Wuppertal in der Galerie … Weltautfstandsplan und so. Da hab ich die eben auch kennengerlernt in der Galerie“, erinnerte sich Kurt Dahlke 1981 (Rock Ses- sion 5). Weltautfstandsplan nannte sich nun Der Plan und veröffentliche die Aufnahmen die in Bielmeiers Keller entstanden waren 1979 auf einer Single. Dahlke schloß sich dem Plan an und veröffentlichte als Pyrolator seine erste LP „Inland“. Die erste LP von Der Plan nannte die Band „Geri Reig“ (1980). Die Idee hinter dem Titel war Moritz R währcnd eines USA Auf- enthalts gekommen. „Geri Reig bedeutet, daß man mit eigenen Mitteln was schafft. Die Idee ist das Zündende, keine gigantischen Studios. Jeder kann was machen. Es gibt den amerikanischen Begriff to jerri reig, d.h. praktisch etwas improvisieren. Du willst ’n Auspuff repa- rieren, hast aber keinen neuen Auspuff, sondern flickst da so’n Schlauch rein. Da würd man vielleicht sagen to jerri reig“, erläuterte Moritz R (Rock Session 5,1981). Der Plan trat bei Festivals auf, z.B. in Berlin bei „Belehrung und Unterhaltung“ (mit S. Y.P.H., DAF, Fehlfarben, P.D., Mania D.) oder beim zweiten „Shvantz!“ in Zürich. Frank Fenstermacher gehörte 1980 mit zur Düsseldorfer Band Die Fehlfarben, Dahlke wirkte mit seinem Synthesizer beim Fehlfarben-Stück „Paul ist tot“. Oft wurden Der Plan die deutschen Residents genannt. „Die Residents sind immer noch die Besten. Was die kreativmäßig geleistet haben, ist ungeheuerlich. Davon sind wir zwangsläufig beeinflußt worden. Das ist jetzt vorbei. Auf unserer ersten Platte war das noch zu merken. Fan bin ich immer noch, sogar mit Mitgliedsnummer“, sagte Moritz Rrr 1981 gegenüber Alfred Hilsberg von der Sounds. „Moritz war ein großer Fan von den Residents. Ich habe damals mit ihm zusammen den Leiter des Residents-Fanclubs besucht, und er hat dann sogar mal die Residents getroffen. Ich glaube, was uns am meisten beeinflußt hat, war die Tatsache, dass die Residents eine Art eigene Welt kreiert haben, eine eigene musikalische Sprache. Das haben wir auch versucht, ohne die Residents kopiercn zu wollen“, meinte Kurt Dahlke im Antwortschreiben an Blechluft in 2002. Ebenfalls 1980 veröffentlichten die drei die Single „Da vorne steht ne Ampel“, die zunächst auf dem bandeigenen Ata Tak-Label und später bei Teldec veröffentlicht wurde. 1981 erschien die zweite LP „Normalette Surprise“. Nun begann das Ata Tak-Label nicht nur Tonträger mit eigenen Projekten zu veröffentlichen, sondern förderie auch andere Bands. Bereits im Herbst 1980 hatte man die ersten Singles von Holger Hiller und Wirtschaftswunder veröffentlicht 1981 folgten Andreas Dorau mit der Single „Fred vom Jupiter“ und der LP „Blumen und Narzissen“, zwei Klassiker der NDW. 1983 veröffentlichte Der Plan die LP „Die letzte Rache“ als Soundtrack zu Rainer Kirbergs gleichnamigen Film. Die Single „Gummi Twist“ erschien 1984 bei der WEA und wurde ein kleiner Hit. Noch im gleich Jahr erschien wieder bei Ata Tak die Doppelsingle „Golden Cheapos“ und im Jahr darauf die LP „Fette Jahre“. Es handelte sich um „eine Jubiläumsplatte mit den größten ‚Hits‘ aus fünf Jahren Plan, die jedoch gemixt oder sogar in ganz neuen Versionen vorliegen“ (Moritz R, 1993). Während andere Bands der Bewegung längst aufgegeben hatten, arbeitete Der Plan und das Ata Tak- Label weiter. „Zu diesem Zeitpunkt war die ,Neue Deutsche Welle‘ ganz und gar vorbei, und man konnte Bilanz ziehen. Andere NDW-Gruppen hatten hundertmal soviele Platten verkauft wie wir …“, schrieb Moritz R in seinem Buch „Der Plan – Glanz und Elend der Neuen Deutschen Welle“ (1993). Der Plan veröffentlichte bis 1992 weitere Tonträger und löste sich dann auf. Fenstermacher und Dahlke machten Ata Tak weiter. Fenstermacher war am Comeback der Fehlfarben Anfang der 90er Jahre beteiligt Dahlke war als Produzent tätig. Gemeinsam machten sie später das Projekt A Certain Frank. 2002 waren sie an einem erneuten, diesmal wirklich erfolgreichen Comeback von Die Fehlfarben beteiligt.

Platten und Plattenkritiken: Schlaflose Nächte, 7inch, “ Flüstern / Move „, Armageddon AS019,1981
Schlaflose Nächte, 12inch, „Drum Dance and Song“ / „Dub“ / „Mental“, Red Flame RF 1207, 1982
Schlaflose Nächte; LP, „The Angel will not come“, Kremlin Product kr010, 1983
Bandbiografie: Schlaflose Nächte
„Mit meiner Band Schlaflose Nächte sollte ich zur Platzbesetzung in Gorleben spielen. Wir suchten noch eine zweite Band. Da schon wir – damals noch, ich gebe es schamvoll zu – eine Hippie-Combo waren, sollte es ein Kontrast-Programm werden. Also machte ich mich frohen Mutes auf zum damals angesagten Zensor. Der verwies mich an einen ebenfalls in Berlin-Schöneberg gelegenen fein wavigen Laden namens Eisengrau. Dort solle ich nach einem gewissen Blixa Bargeld fragen“, schrieb ein ehemaliges Mitglied der Schlaflosen Nächte anonym in einem Forum im Internet. Der gemeinsame Auftritt mit den Einstürzenden Neubauten kam nicht zustande, aber fortan kannten sich die Leute, machten gemeinsame Sachen. Von den Neubauten waren F.M. Einheit, Alex v. Borsig und auch Blixa Bargeld zeitweise mit an der Hand beteiligt. Ansonsten waren es Peter Prima (Schlagzeug), Gila Mousseau ([oder Mousson] Bass, Percussion, Gesang), Bernie Von Braun (Bass, Gitarre, Percussion, Synthesiser) und Nikko. „Schlaflose Nächte war eine Berliner-Amsterdamer Band. 1983-84 lebten und arbeiteten wir fast ausschließlich in A[mster]dam. Peter, der Drummer, hatte seine Wohnung und unseren Ãœbungsraum mitten im Redlight-Bezirk, was manchmal zu kuriosen Szenen führte. Wir hielten uns mit solchen Jobs wie nachts Autos für’s Verkehrsamt zählen über Wasser. Ansonsten machten wir Musik, Musik, Musik. Wir wollten endlich Geld mit unserer Musik verdienen, Trash-Pop, eine Mischung aus dem Industrie-Trash-Sound von Berlin und kommerzieller Popmusik. Zu einem Plattenvertrag ist es nicht gekommen, aber dafür sind wir durch halb Europa getourt“, schrieb ein weiteres Bandmitglied im Internet. Die „Musik war geprägt vom Industriesound, Experimentierfreude und der Lust, aus allen nur erdenklichen Materialien Töne zu erzeugen. B. von Braun war der Godfather of Drum’n Bass, zu einer Zeit als noch keiner wußte, was das ist“ (Zitat).