Archiv für den Monat: August 2016

Leseprobe: Amateurcomics 1975 – 85

Amateurcomics 1975 – 85
(177 Seiten, 10,5 x 18,5 cm, 11,70 Euro, zzgl. Porto/Verpackung)

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Im Comicbereich entwickelten sich in Westdeutschland ab circa der Mittsiebziger Jahre Comicpublikationen, in denen ausschließlich Amateure ihre Comics veröffentlichten. Die jugendlichen Zeichner hatten als Comicsfans begonnen ihre eigenen Storys zu zeichnen und diese in einfachen Heften zu veröffentlichen.

Da die Kunstform des Comicherstellens schulisch und gesellschaftlich nicht gefördert wurde, übernahmen die Zeichner ihre Ausbildung selber, in dem sie durch Abschauen bei ihren Vorbildern und Nachzeichnen sowie durch die Erstellung eigener Comics und deren Veröffentlichung in eigenen Zines lernten. Feedback zu ihren Comics erhielten sie in Leserbriefen und in Rezensionen von ihren „Kollegen“.

Die dort ausgesprochene Kritik bestätigte sie, spornte sie an sich weiter zu verbessern, konnte aber auch kränken oder demotivieren, aber selbst dies konnte dazu führen, die Kritik aufzugreifen, sich spezielle Kenntnisse anzueignen, bestimmte Zeichenlehrbücher zu studieren oder Kurse zu besuchen.

Es gibt eine umfangreiche Comicographie mit zeitgenössischen Rezensionen. Zur Recherche wurden Interviews mit Heike Anacker, Andreas Anger, Hans-Joachim Hahn, Horst Kreuder, Stefan Lochmann, Hanspeter Ludwig, Dietmar Müller, Steff Murschetz, Hannes Rall, Peter Schaaff und Kim Schmidt geführt.

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Zu Forschungszwecken finden Sie Exemplare von „Amateurcomics 1975 – 85“ hier:
„Buchmuseum Fachbibliothek“ (Museum/Fachbibliothek/Klemm) in Leipzig,
„Bonner Online-Bibliographie zur Comicforschung“ an der Universität Bonn.
„Archiv für Jugendkulturen“ in Berlin.

 

Leseprobe Blechluft 9

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BL9„Der Schrottblatt“ – Blechluft 9

Frontispiz: Altered Cabinet Cards
Interviews:
Interview mit Detlef Surrey, Illustrator und Comiczeichner, er zeichnete die „Emil“-Comicstrips.
Interview mit Thomas Pargmann, Platten-Sammler und Mauerstadtmusik-Labelmacher.
Interviews mit Thomas Petruo, Wolfgang Müller, Michael Ruff und Ulli Putsch im Fanzine-Design.
Fiction: Illustrierte Story „Neun Stadtansichten für Romanwandler“, zweiter Teil der fiktiven Geschichte “Die merkwürdigen Reisen des Herrn Johannes Nikolaus Gierlich”.
Artikel: Die Helden des Weltuntergangs. Endzeit in Literatur und Film.
Artikel: Amateurcomics 1975 – 85

Format 10,5 x 18,5 cm
ca. 230 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
Preis 11,90 Euro
zzgl. Porto/Verpackung
Altered Cabibet Card. Done by gauKeli

Frontispiz: Altered Cabinet Cards

Altered Cabibet Card. Done by gauKeli

Altered Cabibet Card. Done by gauKeli

Bevor die Fotografie in den privaten Alltag gelangte, waren es im 19. Jahrhundert Fotografen, die in Fotostudios die Leute empfingen und in ihrer besten Kleidung ablichteten. Die Fotos wurden in verschiedenen Formaten für die Kundschaft erstellt.

Die sogenannte Cabinet Card war zwischen 1862 und 1918 üblich. Als Erfinder gelten George Wharton Simpson (1825 – 1880) und George Washington Wilson (1823 – 1893). Die Fotos im Format 100 mal 150 mm wurden auf dicken Karton montiert, auf dem meistens der Name des Fotografen und dessen Adresse stand. Ähnlich, aber im Format von nur ca. 60 mal 90 mm, sind die Carte de Visite, allgemein CDV abgekürzt. Von diesen Cabinet Card bzw. den CDV wurde unzählige angefertigt. Weitverbreitet sind auch die Photo Postcards, die zum Versenden per Post gedacht waren. Heute sind sie zu Sammlerobjekten geworden. In Bücher wie „Menswear – Vintage People on Photo Postcards“ von Tom Phillips werden ganze Sammlungen präsentiert.

Seit ein paar Jahren gibt es Künstler, die diese Fotos, meistens Cabinet Cards, weiterbearbeiten. Sie verändern mit Farbe die Kleidung der Personen, malen neue Kleidungsstücke hinzu, setzten den Leuten eine Brille oder einen Hut auf, verändern sie zu einem Superhelden oder in ein Gespenst. Alles ohne Photoshop. Unter der Bezeichnung „Altered Cabinet Card“ findet man im Internet Berge dieser Kunstwerke. Künstler sind beispielsweise Javi Garcia, Tom Butler, Alex Gross, Rachel Phillips oder Colin Batty. Sie alle leben in den USA oder England. Von Alex Gross gibt es das Buch „Now and Then: The Cabinet Card Paintings of Alex Gross“ und von Colin Batty „Meet the Family”.

Man könnte diese Art von Kunst kritisch gesehen auch als pietätlos betrachten, denn die Fotomodelle sind alle bereits vor Jahrzehnten verstorben und werden nun gegen ihren Willen zu Kunstobjekten. Viele dieser Kunstwerke sind stark verändert Varianten, vom dem ursprünglichen Charakter bleibt oft nur wenig übrig. Den Gedanken, dass diese Kunst pietätlos sein könnte, wird im Internet gar nicht erst diskutiert. Hervorgehoben wird, dass man diesen alten Bildern neues Leben einhaucht. Plötzlich erzählt ein Foto eine ganze Geschichte.

Die beiden von mir veränderten Cabinet Cards (ich bemalte eingescannte Ausdrucke mit Deckweiß und Wasserfarbe) stammen aus den USA. Die junge Frau wurde von einem Fotografen in Lynn/Massachusetts abgelichtet. Der junge Mann in Richmond/Maine. Mit ein paar einfachen Pinselstrichen konnte ich die beiden komplett verändern.

Heute hat diese Art von Fotografie keine Bedeutung mehr. Wenn man zum Fotograf geht, dann lässt man ein Pass- oder Bewerbungsfoto machen. Da fummeln die Fotografen zwar immer noch mit ihren teuren Kameras herum, heraus kommt aber selten etwas Kreatives. Aber mit dem Interesse an der Zeit der Jahrhundertwende, vom 19. ins 20., durch die Steam Punks, gibt es auch ein Interesse an dieser altmodischen Studiofotografie. Ein solches Studio betreiben in Helsinki Mrs. Onyxei Haapla und Mr. Helmut Schweinstein. [http://atelieri-ohaapala.squarespace.com/] Dort ziehen sich die Leute altmodisch oder im Stil des Steam Punks an und erhalten vom Studio eine entsprechende Cabinat Card.

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