Kategorie-Archiv: Zeitung

Soldaten mit Zeitungen im April 1915 (N)

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Drei Soldaten in einem Lokal.

Drei Soldaten saßen im April 1915 in einem Lokal. Sie tranken ein wenig, wohl Rotwein, auf dem Tisch stand eine Flasche mit Korken. Zwei Männer rauchten Zigarren oder Zigaretten.  Auf dem Tisch stand vor einer Blume eine Werbung der Trierer Zigarettenfabrik „Haus Neuerburg“ (ab 1918 in Köln mit der bekannten Marke Overstolz).

Der Soldat links hielt die Titelseite einer Ausgabe der „Kölnischen Zeitung“ vom Donnerstag, 8. April 1915 hoch. Es ist die erste Morgen-Ausgabe des Tages mit der Nr. 353. Es gab mehrere Ausgaben täglich. Mindestens eine „Morgen-Ausgabe“, eine „Mittags-Ausgabe“ und eine „Abend-Ausgabe“. Zwei Beispiele von den Tagen 21. und 25. Mai 1913:
„Kölnischen Zeitung“, Nr. 585, Mittwoch, 21.5.1913, Abend-Ausgabe
„Kölnischen Zeitung“, Nr. 600, Sonntag, 25.5.1913, erste Morgen-Ausgabe
Es gab demnach drei bis vier Ausgaben täglich.

Die Schlagzeile am 8. April 1915 lautete: „Der neue Durchbruchsversuch der Franzosen – Strömungen in Bulgarien“. Es wird also über das Neueste des Krieges berichtet (hier Aktivitäten der Franzosen an Maas und Mosel und „Strömungen“ in Bulgarien).

Der Soldat in der Mitte hielt eine Ausgabe der Satirezeitschrift „ULK“ hoch, Ausgabe Nr. 13 vom 26. März 1915. Das war nicht die neueste Ausgabe, am 2. April war bereits die Nummer 14 erschienen.

Die „Kölnische Zeitung“ (Verlag M. DuMont Schauberg, Köln) war neben der „Frankfurter Zeitung“ (Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt a.M.) eine wichtige überregionale Zeitung im damaligen Deutschland.

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Titelblatt des Satiremagazins ULK. Ausgabe Nr. 13 vom 26. März 1915. Diese Ausgabe hielt der Soldat auf dem obigen Bild in die Kamera.

Eine weitere überregionale Zeitung war das „Berliner Tageblatt“ (Rudolf Mosse Verlag, Berlin); sie soll die größte Auflage gehabt haben. Die Satirezeitschrift „ULK“ erschien von 1872 bis 1922 donnerstags als Gratisbeilage des „Berliner Tageblatt“ und von 1910 bis 1922 auch in der regionalen „Berliner Volks-Zeitung“ (Rudolf Mosse Verlag, Berlin). Ab 1922 erschien die „ULK“ als eigenständige Publikation bis 1932.

Weitere Satiremagazine mit überregionaler Bedeutung waren „Fliegende Blätter“ (1845 bis 1944), „Kladderadatsch“ (1848 bis 1944), „Simplicissimus“ (1896 bis 1944) und „Der wahre Jacob“ (1879 bis 1933).

 

Digitalisierte Zeitschriften:
Simplicissimus
der wahre Jacob
ULK
Fliegende Blätter
Kladderadatsch

Heidelberger historische Bestände

Anzeigen in der Kölnischen Zeitung (1871)

Anzeigen aus „Kölnische Zeitung“, Nr. 34, Freitag, 3. Februar 1871

 

koanz002 Heute reden wir von Gummistiefeln. Statt Gummischuhen könnte man auch von Kautschukschuhen sprechen, denn „schon von den Eingeborenen Südamerikas [wurde] das Kautschuk zur Herstellung von Schuhen benutzt. Sie bestrichen hölzerne oder thönerne Schuhformen mit Kautschuksaft und ließen denselben darauf eintrocknen. War das Kautschuk in genügender Dicke aufgetragen, so wurde die Form daraus entfernt“ („Die Fabrikation der Kautschuk- und Guttaperchawaaren“, 1883). Aber diese Schuhe hatten einige Nachteile, bei Hitze klebten sie und bei Kälte waren sie spröde. Erst durch Verbesserungen von Charles Goodyear 1840, konnten diese Nachteile behoben werden.  Die Amerikaner Hiram Hutchinson und Henry Lee Norris produzierten nach 1855 in Frankreich bzw. Schottland. In Anzeigen in der 1860er Jahre stand oft „ächt amerikanisch und wasserdicht“. Gummischuhe kamen in erster Linie aus England, Frankreich und Amerika, wobei die aus Amerika am bekanntesten waren.
Die in der Anzeige genannte Bürgerstraße befindet sich direkt beim Kölner Rathaus in der Altstadt. Dort war damals wohl ein Geschäft, denn in der nächsten Anzeige „Braunkohle“ (steht in der Zeitung auch direkt unter der obigen)  wie dieselbe Adresse angegeben.

koanz001 In dieser Anzeige sind die Begrifflichkeiten auf den ersten Blick etwas seltsam.
Sgr. / Thlr. = Silbergroschen bzw. Thaler, damalige Währung. Centner/Zentner = alte Gewichtseinheit. „viel besser als Coaks“ = Braunkohle viel besser als Koks. Brandgeriß = ? (anderes Beispiel von 1848: „3000 Scheffeln Brandgeriß, 900 Zentnern Fettkohlen“. Fettkohle bestimmte Steinkohle). Malter = Volumenmaß.

koanz003 Hier will jemand einen Handwagen und eine Decimal-Waage (= Dezimalwaage zur Messung unbekannter Massen durch Nutzung von Vergleichsgewichten) kaufen. Die Abkürzunjg Ctr. = Centner. Wo soll sich derjenige melden, der verkaufen möchte? Am Ende steht „Die Exp. s., wo.“ (Exp. = Expedition, der Zeitungsverlag), evtl. „Die Expedition sagt wo“. Demnach musste man zur Zeitung gehen und nachfragen.

koanz004 Eine kleine Werbeanzeige der permanenten Industrie-Ausstellung in der Glockengasse 3 für Jagdwagen (Sandläufer) (= kleine Kutsche), Panier (= ein bestimmter Wagentyp) und Phaetons (= kleine Kutsche, „Herrenkutsche“). Die permanente Industrie-Ausstellung diente Fabrikanten zur Bekanntmachung ihrer Erzeugnisse. Erstmalig eröffnet 1862 (?). Um in die Industrie-Ausstellung zu kommen musste man 25 Pfennig (1876 ) bezahlen. Unter der Adresse Glockengasse 3 befand sich ab 1865 eine Gemäldegalerie. In einem Fremdenführer von 1863 stand: „Von der Brückenstrasse treten wir in die gegenüberliegende Glockengasse. In dieser wären zu sehen: Nro. 3, die permanente Industrie-Ausstellung, nebenan die Gewächshäuser und die Privatsammlung des Herrn Ph. Engels.“ (Quelle: [1]).

koanz005Ein Namenstagsgruß, wie er auch heute noch in der Zeitung stehen könnte, würden Namenstage noch so eine Rolle spielen. Der Ort Bayenthal im Süden von Köln gehörte bis 1888 zu Bürgermeisterei Rondorf und wurde dann mit anderen Orten nach Köln eingemeindet

koanz006Diese Anzeige beginnt mit einem hebräischen Wort. Eine ähnliche Anzeige: „7/2 Pfd. per Thlr. Fracht frei bis Magdeburg (Harburg) bei Gebr. Frankenstein, Bielefeld.“ („Allgemeine Zeitung des Judenthums„, 1873). „Fein ausgebackene [hebräisches Wort] 10 Pfund per Thaler liefert franco Station Wesel oder Dülmen die Mazzothfabrik von N. Liebreich.“ („Allgemeine Zeitung des Judenthums„, 1875). (Emballage (= Verpackung) Zur Firma:  „Herrenröcke, Hosen und Westen“, „Herrenkleider“. „Gegründet 1852, Fabrication fertiger Herrengarderoben, auch Leinenwäsche. Spez. leichte Sommerröcke von baumwollenen, leinenen und halbwollenen Stoffen. Absatz grösstentheils auf asserdeutschen europäischen Märkten, in Deutschland nicht. 7 Arb. in der Fabrik, 105 (35 weibl.) ausserhalb.“ (Amtlicher Katalog der Ausstellung des deutschen Reiches, 1873)

koanz007Laden in der Apostelnstraße unweit der Kirche St. Aposteln.

koanz008Das Geschäft Wirz & Schlösser war unmittelbar bei der Kirche St. Columba. Laut Adressbuch von 1846 wohnte dort Wilhelm Anton Wirz, Columbastr. 6/8 ([1]), aber auch Johann Josef Schlösser, Columbastr. 6/8, Übersetzer und Redakteur der Kölnischen Zeitung ([2]), auch Doktortitel, geb. 21. Juni 1780 („Beiträge zur Geschichte der Kölnischen Zeitung, 1930). Dieser hatte evtl. „Anna Gertrud Schlösser, geb. Wirz, 65 J. alt, Columbastr.“ (aus „Rheinische Zeitung“) geheiratet. 1913 firmierte das Geschäft noch als „Südfrüchtegroßhandlung Wirz & Schlösser, Köln“.

koanz009 Speziell für Lieferanten der Armee, gratis per Bahn 2000 Zentner weiße Bohnen (Fisolen). „Reflectierende“, verstehe ich als Interessenten. Franco-Offerte = unverbindliche Kaufangebote.

koanz011Beispiele: „ Zucker in ein halböhmig Faß gelegt“ (1668), „halböhmig Oehlfäßchen“. Es geht um Fassgrößen, z.B. 1 Ohm = 160l. Halb Ohm = halbohm = halböhmig. Genaueres hier. Anfrage „December 1821 bei dem Kaufmann Joseph Seelig in Köln brieflich an, zu welchem Preise er ihr 5 — 10 Ohm 80 prozentigen Rohspiritus gegen sogenannte Zweimonatspapiere überlassen könne.“ („Juristische Monatsschrift für preussisches Recht und dessen Praxis„, 1855). Beispielsweise Eichenholzfass mit verzinkten Eisenringen. Das Geschäft von Jos. Seelig bestand bereits vor 1821.

koanz010 Eine Zwillingsmaschine ist eine bestimmte Dampfmaschine. 8pferdige Maschine = 8 PS-Maschine (Beispiele: „kleine 50 pferdige Gasmaschine“, „Angefangen von den ersten 15 pferdigen Motoren mit einem Einheitsgewicht von nahezu 26 kg/PS und 6 kg stündlichem Benzinverbrauch stieg die Einzelleistung der Motoren auf 90 bis 120 PS, dann auf 150 bis 180 PS und weiter auf 210 PS“). 1882 als Waggonräderfabrikanten Gebr. van der Zypen in Deutz (zur Firma: [1]).

koanz012„1 eisernes Reservoir von 3800 Liter“ (= Vorrat). Theodor Prümm, Kupferschläger, große Sandkaul Nr. 2 (Rheinische Zeitung). Baute später Waagen. Firmengründung 1839. Firmengeschichte ([1])

koanz013Geschäftseröffnung am 1 Mai 1849: Franz Coblenzer, Material- und Farbwaaren-Handlung en gros & en detail Höhle Nr. 22 nahe an St. Alban. ([1)] Als „Coblenzer, Frz, * Höhle 28“ mit einer Lakritzfabrik („Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbtreibenden, Gutsbesitzer“, 1871).

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koanz016Bei einem Plüswolf könnte es sich um einen „ selbstthätigen conischen Wolf (selsacting conical willow)“ handeln „Bei dem conischen Wolf wird die Baumwolle auf der einen Seite beständig eingetragen, während sie an der andern Seite wieder heraus- komm“, Polytechnisches Centralblatt, 1837). 24 “ rh. (24 Zoll rheinisch; “ bei genauen messungen wird das normalmasz, nach dem man sich richtet, als rheinländisch, französisch, Leipziger, Pariser u. s. w., von denen das erste in Deutschland am weitesten galt[1]. Als Beispiel: „einer Breite von 32 Zoll rheinisch Mass (nach sächsischem Mass. 2 Ellen 22 Zoll Höhe bei 1 Elle 11 Zoll Breite)[2]). Firma J. W. Houget et Teston aus Verviers in Ost-Belgien, „welche sich vorzugsweise mit der Verfertigung von Spinn- und Webmaschinen für Wolle, Tuchscheermaschinen ‚), wie auch mit der Lieferung von Dampfmaschinen beschäftigt“ („Die Gewerbausstellung in Brüssel im Jahre 1841″, 1842). Bauten 1829 eine Dampfbürstmaschine, 1837 eine Scheermaschine, auch eine Wollwaschmaschine. 1868: „Dampfmaschme, Steuerung mit Zahnrad ohne Excenter.“ Ein „Wolf“ dient zum Zerkleinern und Mahlen von Gegenständen (siehe Fleischwolf).  Franco-Anfragen = „Der Unterzeichnete gibt auf Franko Anfragen gern nähere Auskunft über …“ = gratis Anfrage, vgl. frank und frei  (vgl. Franco = Versender übernimmt die Kosten der Lieferung/Frachtkosten, der Empfänger zahlt nichts. = portofrei).

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koanz018Ein Bild der Apotheke von 1890 gibt es hier:

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Zum Disch-Haus ([1])

 

 

 

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Im August 1916

Quellen:

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Meggendorfer-Blätter Nr. 1336, 3. August 1916. Zeichnung von Franz Hlavaty (1861 – 1917). Text darunter: „Jetzt braucht man sich wenigstens nicht mehr zu genieren, wenn man nicht fließend englisch spricht; man sagt halt, man hätte eine patriotische Erziehung genossen.“

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Anzeigen aus Meggendorfer-Blätter Nr. 1336, 3. August 1916.

https://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digilit/meggendorferblaetter.html

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Bergische Tageszeitung Nr. 177, Donnerstag, den 3. August 1916.

Vermischtes aus der Region Bergisches Land, Düsseldorf, Köln:

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Eierverkauf für die Brotkarten-Bezirke 48 – 84 nur gegen Eierkarte (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

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20 Pfennig für ein Ei verlangt ein Pfarrer in der Eifel (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

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Nudeln gegen Lochung des Feldes 3 der Fettkarte (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

Anzeigen im Bergischen Land wegen Verfälschung von Lebensmitteln (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

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Diebstähle in der Marmeladenfabrik (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

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Eine Hochstaplerin in Düsseldorf verurteilt (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

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„Berliner Volkszeitung“, Nr. 394, Abend-Ausgabe, Donnerstag, 3. August 1916.

Vermischtes aus Groß-Berlin:

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Szenen in der Berliner Untergrundbahn (in „Berliner Volkszeitung“, Nr. 394, Abend-Ausgabe, Donnerstag, 3. August 1916)

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Treffen der Marmeladefabrikanten („Berliner Volkszeitung“, Nr. 394, Abend-Ausgabe, Donnerstag, 3. August 1916).

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Toter Junge in die Havel („Berliner Volkszeitung“, Nr. 394, Abend-Ausgabe, Donnerstag, 3. August 1916).

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Das Wetter am 4. August 1916 („Berliner Volkszeitung“, Nr. 394, Abend-Ausgabe, Donnerstag, 3. August 1916).

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Lokal „Burghof“ in Köln während des Ersten Weltkriegs. Drei Frauen und drei Männer (Soldaten, zwei sind Matrosen). Die Frau links und der Mann daneben haben die Hüte vertauscht. Sie trinken Bier. Der Matrose links raucht Zigarette. An der Garderobe hängen einige Militärmützen (Postkarte im Format: 140 x 88 mm).

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Lokal „Burghof“ in Köln während des Ersten Weltkriegs. Vier Frauen und vier Männer (Zivilisten). Dahinter noch ein Kellner oder ein weiterer Gast. Die Frauen trugen Hüte. Getrunken wurde Bier. (Postkarte im Format: 140 x 88 mm).

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„Gruß aus >Groß – Cöln< Friesenstr. Hohenzollernring in Cöln a. Rh. Frau mit Militärmütze (Postkarte des Groß-Cöln. Zeichnung von Luis Usabal. Von Usabal gibt es zahlreiche Motive, auf denen junge Frauen Militärmützen tragen, vgl. „Fräulein Feldgrau“-Karten und Buch von Rudolf Jaworski „Mütter – Liebchen – Heroinen: Propagandapostkarten aus dem Ersten Weltkrieg“).

Sekundärliteratur:

„So einschneidend der Kriegsbeginn für viele Vereine war, so kurios mutet eine Vereinsneugründung Ende 1915 an: Nachdem im Winter 1915/1916 Boote beschafft worden waren, hielt der Verein für Kanusport Cöln an Ostern 1916 seine erste Fahrt ab. Im Juli folgte eine Fahrt mit allen Wassersportvereinen Kölns, an der auch – als Zuschauer – Mitglieder der Gouvernements, verwundete Soldaten und Generäle teilnahmen.“ („Köln 1914“, S. 120)

„Bereits im ersten Quartal 1916 gab es in Berlin eine Kriegsausstellung, die fast 500.000 Menschen sahen. Der Gedanke, in Köln eine ähnliche zu veranstalten, wurde im März 1916 in der Stadtverordnetenversammlung … eingebracht und beschlossen. Der Stadtverordnete Dietrich Brügelmann sagte spontan zu, den leer stehenden Neubau der Firma F. W. Brügelmann Söhne dafür zur Verfügung zu stellen. Der Krieg verhinderte den Umzug des Textilunternehmens in den von Juni 1914 bis November 1915 errichteten Neubau. Obwohl nur viereinhalb Monate Zeit war, konnte  am 19. August 1916 eine Ausstellung eröffnet werden, die … bis zu ihrem Ende nach Verlängerung am 1. November über 350.000 Besucher anzog.“ (zur „Ausstellung für Kriegsfürsorge“ in („Köln 1914“, S. 165)

„Als im November des Jahres [1915] jedoch Versorgungsprobleme entstanden, veranlasste der Bürgermeister eine Verordnung, in der detailliert rationierte Lebensmittel wie Brot/Mehl, Kartoffeln, Fleisch/Fett etc. aufgelistet und die jeweiligen Zuteilungsmengen genannt wurden. Außerdem richtete die Stadtverwaltung eine Preisprüfstelle und 1916 eine Volksernährungskommission sowie eine städtische Kriegsküche ein. … Bis hin zur Scheibe Brot und zum Flicklappen wurde in Gladbach wie auch in Bensberg fast jedes Lebensmittel und jeder Gebrauchsgegenstand durch die Gemeindebehörden zugeteilt.“ („Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte“, S. 311)

„Die schlechte Versorgungslage und die schwere körperliche Arbeit wirkten sich mit zunehmender Kriegsdauer auch auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung aus. Erste Anzeichen einer Verschlechterung waren im Raum Bergisch Gladbach, ähnlich wie in Köln, bereits 1916 erkennbar, als sich mehr und mehr die Unterernährung der Minderbemittelten zeigte und der Anteil der Tuberkulosetoten deutlich anstieg.“ („Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte“, S. 316)

„Liest man die behördlichen Berichte und Kriegschroniken, so zeigt sich, dass die Stimmungslage der Bevölkerung je nach Kriegs- und Versorgungslage deutlichen Schwankungen unterworfen war. So konstatierte Bürgermeister Pütz Mitte Juni 1916 einen >ernsten Umschwung< angesichts der großen Kartoffelknappheit. Als der Mangel einige Wochen später jedoch annähernd überwunden war, bezeichnete er die Stimmung wieder als im Allgemeinen zufriedenstellend.“ („Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte“, S. 317)

„1916 waren alle wichtigen Lebensmittel rationiert. Die Kölner unternahmen nun häufig Hamsterfahrten ins Vorgebirge, um wenigstens – illegal – Kartoffeln und Eier zu erwerben. Immer mehr Waren konnten für teures Geld nur auf dem schwarzen Markt besorgt werden. Die Bevölkerung, die Betriebe, ja selbst die Stadt waren gezwungen, sich auf dem schwarzen Markt zu versorgen. Der Schleichhandel blühte.“ („Köln, die große Stadtgeschichte“, S. 347)

„Gemeinsam mit den Inhabern der Rheinischen Brotfabrik, Jean und Josef Oebel, entwickelte er [Konrad Adenauer] 1916 das >Kölner Sparbrot<: ein Schrotbrot, das aus Mais, Reis und Gerste gebacken wurde, weil es an Getreide mangelte. Allzu gut sollte das Brot nicht schmecken, um keinen Anreiz zum überflüssigen Essen zu bieten.“ („Köln, die große Stadtgeschichte“, S. 348) „Patenschrift für Jean und Josef Oebel und Konrad Adenauer über ein ab 2. Mai 1915 patentiertes Verfahren zur Herstellung eines Schrotbrotes …“ („Adenauer, seine Zeit – sein Werk“, S. 17)

„1916 Mai 13 – Den Haag
Das niederländische Landwirtschaftsministerium an den Oberbürgermeister von Köln: gestattet eine erste Ausfuhr von 250 Milchkühen.“ („Adenauer, seine Zeit – sein Werk“, S. 17)

„1916 Juli 1 – Köln und Schwelm
Vertrag zwischen der Stadt Köln (i:V. Adenauer) und dem Landwirt Carl Levering über die Verpachtung seiner Weiden in der Gemeinde Schwelm an die Stadt … Die Weiden wurden zur Milchviehhaltung benötigt.“ („Adenauer, seine Zeit – sein Werk“, S. 18)

„1916 Juni 19 – Köln
Adenauer in der Lebensmittelkommission: unterrichtet über die mangelhafte Kartoffelversorgung und die Ausgabe von Ersatznahrungsmitteln, hält die Reichsregierung für den Verursacher dieses Unglücks, wirft ihr >gewissenlose Dummheit< vor, belastet die Reichstagsabgeordneten mit einem Teil der Schuld … Das Jahr stand im Zeichen der Kartoffelkrise, die ihren Höhepunkt im Kohlrübenwinter 1916/1917 finden sollte.“ („Adenauer, seine Zeit – sein Werk“, S. 18)

„1916 … Die Firma >Gewerkschaft Lindlar< verlegt Schmalspurgeleise (60 cm Spurweite) auf der Strecke Brungerstberg-Bahnhofstraße (5.6.) … Einrichtung einer Kriegshilfskasse für Kriegsteilnehmer. – Im Abrahamsthal wird eine Wasserleitung verlegt (9.8.) …“ („Lindlar – eine Bergische Gemeinde erzählt …“, S. 437)

„Lehrer Wilhelm Weiter wurde am 7.10.1915 vom Militär entlassen und übernahm die Klasse 1. Bei dieser Regelung blieb es bis zum 21.1.1916; denn an jenem Tag wurde auch Herr Kloth vom Heeresdienst befreit … am 11.3.1916 wurde Herr Wisel Soldat. Nachdem Herr Welter nun auch in Scheuren ausgeholfen hatte, kam am 1.6.1916 der Lehrer Joseph Schreiner nach hier …“ („Odenthal – Geschichte einer Bergischen Gemeinde“, S. 288/89)

„1916 Einführung der neugewählten Gemeinderäte in ihr Amt (10.3.). Es ist dies der letzte nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählte Rat …“ („Odenthal – Geschichte einer Bergischen Gemeinde“, S. 293)

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Drei Männer im Sommer 1916 im Siegtal.

„Am 1. Februar 1916 gründete [Hugo] Ball das Cabaret Voltaire. Er hatte eine Vereinbarung mit dem Besitzer der Kneipe >Meierei<, Herr Ephraim, im Niederdorf getroffen, jenem weniger gut berüchtigten Quartier der sehr gut berüchtigten Stadt Zürich. Durch ein literarisches Kabarett versprach er Herrn Ephraim, den Verkauf von Bier, Würstchen und belegten Brötchen zu heben. Emmy Hennings sang Chansons. Ball begleitete sie auf dem Klavier….“ (DADA – Kunst und Antikunst“, S. 12 – 14)

„Besonders groß war das Engagement der Bevölkerung im Lazarettwesen. Wenige Wochen nach Kriegsbeginn trafen an den Bahnhöfen in Friedrichshafen und Überlingen die ersten Transporte mit Verwundeten von der Westfront ein, denen v. a. nach den großen Schlachten des Jahres 1916 bei Verdun und an der Somme viele folgen sollten.“ („1914 – 1918“, Kriegserfahrungen von Soldaten aus der Touraine und vom nördlichen Bodensee, S. 69)

„Die Bevölkerung wurde aufgrund der schlechten Ernährungslage anfällig gegenüber Infektionskrankheiten wie etwa Diphterie, die Anfang 1916 im Amtsbezirk Überlingen auftrat.“ („1914 – 1918“, Kriegserfahrungen von Soldaten aus der Touraine und vom nördlichen Bodensee, S. 73)

„Ende Juli wird das 119. Grenadier-Regiment von Ypern an die Somme verlegt. Hier tobt seit Ende Juni 1916 die blutigste Schlacht des Ersten Weltkriegs [Schlacht Somme/Frankreich, ca. 1. Juli bis 19. November 1916]. Diese Offensive ist als Entlastungsangriff für das von deutschen Truppen angegriffene Verdun [Schlacht Verdun/Frankreich, 21. Februar bis 18. Dezember 1916] gedacht. Sie führt zu über einer Millionen getöteter und verwundeter Soldaten. Aber genau so wenig wie den Deutschen bei Verdun gelingt den Engländern und Franzosen an der Somme den Durchbruch bzw. die Zermürbung des Gegners.“ („1914 – 1918“, Kriegserfahrungen von Soldaten aus der Touraine und vom nördlichen Bodensee, S. 202)

„Berühmt wird Else Ury vor allem durch ihre >Nesthäkchen<-Reihe, von welcher bis 1915 bereits die Bände >Nesthäkchen und ihre Puppen<, >Nesthäkchen erstes Schuljahr< und >Nesthäkchen im Kinderheim< erschienen sind. >Nesthäkchen und der Weltkrieg< aus dem Jahr 1916 [VÖ wohl 1917] ist das wohl populärste deutschsprachige Kinderbuch während der Kriegsjahre.“ („Am liebsten wäre ich Soldat“, Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg, S. 119)

“ … ab Mitte 1916 hatte sich die Wirksamkeit der britischen Seeblockade derart erhöht, dass die Versorgung der Bevölkerung immer schwieriger wurde und im Hungerwinter 1916/17 fast zusammenbrach.“ („Am liebsten wäre ich Soldat“, Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg, S. 249)

„Am 7. Februar 1916 erstach der niederländische Grubenarbeiter Hermanus van Geleen bei Köln den Arbeiter Hubert de Graaf, mit dessen Frau er schon längere Zeit ein Liebesverhältnis unterhielt. Die Vollstreckung des am 7. März 1916 gefällten Kriegsgerichtsurteils erfolgte am frühen Morgen des 21. Julis 1916 durch Erschießen.“ (Udo Bürger „Bleche Botz und Klingelpütz – Kölner Kriminalfälle von 1815 – 1918“, S. 269)

„Im Ersten Weltkrieg war alles rationiert, alles zugeteilt. Und die Bauern mußten das meiste abgeben. Ich weiß noch, da hatten wir Frühkartoffeln angebaut. Die haben wir dann geliefert, also zwangsweise abgegeben, da hatten wir später selbst nix mehr! Zu der Zeit kriegten wir viel Dörrgemüse, so getrockneter Kohl und so was alles, das gab es da viel zu kaufen. Oder Graupen. Gerste ist das. Und weil es auf Zuteilung immer nur Graupen gab, hatte der Adenauer, der war damals Bürgermeister von Köln [Anm.: ab Oktober 1917], den Beinamen Graupenauer!“ (Bernhard Kalsbach in Martin Rosswog „Rückblende – Befragungen einer Generation“, S. 54)

„… Durch einen Trick schaffte ich es, daß ich felddienstfähig geschrieben wurde. Als Infantrist kam ich an die Front. Ich habe die Schlacht bei Soissons [Januar 1915] mitgemacht und später die Somme-Schlacht [Schlacht Somme/Frankreich, ca. 1. Juli bis 19. November 1916]. Die Somme-Schlacht war die schlimmste von allen, sie war mit keiner anderen Schlacht zu vergleichen! Was da für ein Durcheinander war! Kein Mensch wußte mehr, wo der andere war. Das waren furchtbare Tage!“ (Anton Gießmann in Martin Rosswog „Rückblende – Befragungen einer Generation“, S. 154)

„Ab dem 28. März 1915 wurden in Köln Brotbücher eingeführt. Jeder Haushalt bekam nun ein Brotbuch, ohne das es kein Mehl oder Brot mehr zu kaufen gab. … Pro Kopf und Tag standen der Bevölkerung nun 200 Gramm Mehl zu, was 250 Gramm Brot entsprach.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 119)

„Die Möglichkeit des Betrugs war beim Brotbuch größer als bei einer der Brotkarte, insbesondere dann, wenn ein angeblich verlorenes Brotbuch erneut ausgestellt wurde und Betrüger versuchten, damit zweimal einzukaufen. Verlorene Lebensmittelmarken wurden dagegen nicht ersetzt. Das Brotbuch war aber für die Stadt Köln einfacher einzuführen und die Verteilung war einfacher zu verwalten.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 120)

„Nach Bekanntgabe der Einführung der Brotbücher zum 28. März 1915 setzte – wie zur Mobilmachung – ein Kaufverhalten der Bevölkerung ein , als Sturmlauf nach Brot und Mehl bezeichnet wurde. Hamsterkäufe wurden von der Bevölkerung gleich in mehreren Bäckereien vorgenommen, um möglichst viel Brot vor Einführung der Brotbücher im Haushalt zu haben. … Mit Einführung des Brotbuches hörten die Hamsterkäufe dann auch wieder auf.“  (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 120)

„Es ist nicht zu leugnen, dass es illegale Möglichkeiten gab, das eingeführte System zu unterlaufen, etwa durch Hamsterfahrten in das Umland oder durch Diebstahl, Betrug und Unterschlagung. Die genannten >Möglichkeiten< wurden auch genutzt, konnten bei Aufdeckung aber hart bestraft werden. Weiterhin als legale Möglichkeiten vorhanden, an Lebensmittel ohne Eintrag in das Brotbuch zu gelangen, waren der eigene Anbau von Feldfrüchten, … oder der Besuch von Restaurants, in denen immer noch viele Gerichte ohne Bezugsschein verzehrt werden konnten. Hierbei war natürlich die eigene finanzielle Situation von Bedeutung.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 120)

„Eine Bestandsaufnahme für Nahrungsmittel in den Kölner Haushalten im Januar 1916 ergab, dass in 51.470 von 130.646, also rund 39 Prozent der Kölner Haushalte, keine Kartoffelvorräte mehr vorhanden waren. Auch die Versorgung der Bevölkerung  mit Butter und Schweinefleisch wurde äußerst ungünstig angesehen. Besser hingegen sah es in Köln mit der Versorgung mit Gemüse aus. Die Bemühungen der Stadt Köln, nahezu jedes geeignete Stück Land mit Gemüse bebauen zu lasse´n, halfen dabei sicherlich mit.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 245)

„Die im Oktober 1915 beschlossene Volksküche in Köln-Mülheim zur Versorgung der Bevölkerung nahm am 1. März 1916 ihren Betrieb auf. Schon am 28. Februar 1916 hatte eine Volksküche in Köln-Dellbrück, Andreaestraße 2, eröffnet. Zur Versorgung der Bevölkerung der Altstadt verkaufte die Stadt Köln von fahrbaren Küchen aus ab dem 14. Februar 1916 warme Mittags- und Abendessen in Form von Eintopfgerichten zum Preis von 20 Pfennig für die Liter-Portion. Die Küchenwagen trugen das Schild Stadtküche und kündigten sich durch Klingelzeichen an. Zunächst durchfuhren drei Küchen von 11:30 bis 13 Uhr und von 18:30 bis 20 Uhr die Arbeiterviertel der Altstadt. Köln war mit diesen ersten >Gulaschkanonen< Vorreiter für andere Städte Deutschlands. […] Eine weitere Verkaufsstelle für Eintopfgerichte wurde von der Stadt Köln in Ehrenfeld, Körnerstraße 10, am 15. März 1916 eröffnet. Zwischen 11:30 und 13 Uhr wurden hier Eintopfgerichte für 40 Pfennig die Portion verkauft.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 249) Anm.: Die Küchenwagen der Stadtküche wurden von einem Pferd gezogen (vgl. Abb. hier)

„Zum 1. Juli 1916 sollte eine neue Form des Brotbuches herausgegeben werden. Die gekauften Waren sollten nicht mehr in das Brotbuch eingetragen werden, sondern das Buch sollte Marken für verschiedene Waren und Zeiten des Verkaufs enthalten, die dann beim Kauf an die Verkäufer abgegeben werden mussten. Die Verkäufer mussten die Marken auf Bogen aufkleben und bei der städtischen Brotbuchzentrale zur Kontrolle vorlegen. Mit diesem System wollte man insbesondere den Missbrauch des Brotbuches durch Radierungen und Veränderungen der Eintragungen verhindern. Die Stadt Köln nahm sich bei diesem neuen System die Stadt Aachen und ihr Verteil- und Kontrollsystem zum Vorbild.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 257)

Kölnische Volkszeitung

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Titelblatt vom 25. Dezember 1900 (Bookattack Collection).

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Vom Titelblatt vom 25. Dezember 1900 (Bookattack Collection).

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Vom Titelblatt vom 25. Dezember 1900 (Bookattack Collection).

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Titelblatt vom 25. Dezember 1900 (Bookattack Collection).

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Vom Titelblatt vom 6. Juli 1913 (Bookattack Collection).

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Vom Titelblatt vom 6. Juli 1913 (Bookattack Collection).

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Vom Titelblatt der „Literarischen Beilage der Kölnischen Volkszeitung“ vom 15. Mai1913 (Bookattack Collection).

 

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Vom Titelblatt „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 14. Mai 1913 (Bookattack Collection).

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Vom Titelblatt „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913 (Bookattack Collection).

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Anzeige in „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913 (Bookattack Collection).

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Anzeige in „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913 (Bookattack Collection).

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Anzeige in „Der Westdeutsche Landwirt – Landwirtschaftliche Beilage zur Kölnischen Volkszeitung“ vom 29. Januar 1913 (Bookattack Collection).

 

Düsseldorfer Volksblatt, 11. Dezember 1901 (Damaskus)

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Titelseite des „Düsseldorfer Volksblatt“ vom 11. Dezember 1901. Die Titelschrift wurde seit dem 1. Januar 1881 verwendet. Zum 1. Januar 1882 wurde dann nochmals das Layout der Titelseite geändert, blieb dann zumindest für die nächsten 20 Jahre identisch.

Auf der Titelseite wird als Chefredakteur Dr. Ed.[uard] Hüsgen (1848, Neuß – 1912, Düsseldorf) genannt. Er war Chefredakteur des Düsseldorfer Volksblatts von 1875 bis 1904. Hüsgen war 1878 Mitbegründer des Augustinus-Verein zur Pflege der katholischen Presse, deren Vorsitz er 1908 übernahm. 1871 war er aufgrund seiner Tätigkeiten für die Zeitung der Zentrum-Partei aus dem Justizdienst in Preußen entlassen worden. Er arbeitete danach als Redakteur bei der „Kölnischen Volkszeitung“ ([1]).

Die Zeitung war 1867 als Düsseldorfer Sonntagsblatt gegründet worden. 1871 war W. [ilhelm] Deiters, der eine Buchhandlung in der Alleestraße hatte, verantwortlicher Redakteur. Ab 1. Oktober 1871 war verantwortlicher Redakteur F. R. Palm, der auch Druck und Verlag übernahm. Die Redaktion stand „auf festen Boden des katholischen Glaubens“, wie man an die Leser schrieb. Zum 17. Mai 1873 übernahm Carl Becker & Cie Verlag und Druck verbunden mit der Herausgabe die Zeitung. Verantwortlicher Redakteur blieb B. Aßfelder. Ab dem 2. Januar 1875 stand Hüsgen als verantwortlich Redakteur auf der Titelseite.  Er hatte das Amt von Dr. Meller übernommen. Ab dem 11. Januar 1882 wurde auf der Titelseite die „Aktien-Gesellschaft Düsseldorfer Volksblatt“ als Druckerei und Verlag genannt. (Q: http://digital.ub.uni-duesseldorf.de)

Das „Düsseldorfer Volksblatt“ war ein katholische Zeitung, und wurde der „ultramontanen“ Ecke zugeordnet oder auch mal als „klerikale“ Zeitung bezeichnet. Aus Artikeln wie „Eine undeutsche ehrlose Journalistik“ (30. März 1872) geht deutlich der Standpunkt des Volksblatts hervor. Da wird gegen die liberale Presse und die politischen Zeitungen gewettert, diese werden als „die seit vielen Jahrzehnten in unsere Familien eingenisteten antikatholischen Zeitungen“ bezeichnet.  „Vom Großpapa bis zum Enkel […] hat man sich an die tendenziöse Färbung der politischen Zeitung so sehr gewöhnt, daß das Ungeheuerliche und Giftige, was Tag für Tag in homöopatischen Dosen verschluckt werden muß, unvermerkt in den abgehärteten politischen Magen abgleitet.“ (ebd.)

Redakteur Mellers Stellvertreter war Ende 1874 Johann Fußangel (1852 – 1910, vgl. [1], als Johannes Fusangel), der sich mit dem Artikel „An unseren Rockschößen“ vom 9. Dezember 1874 Ärger einhandelte. Fußangel, der am 9. Januar 1875 im „Düsseldorfer Volksblatt“ als ehemaliger Stellvertetender Redakteur genannt wurde, hatte bereits am 27. Oktober 1874 vor dem Zuchtpolizeigericht gestanden. Man hatte ihn beschuldigt in einem Artikel am 12. September 1874 „Gebräuche und Einrichtungen der katholischen Kirche beschimpft zu haben“. Er wurde aber freigesprochen.
In dem Artikel vom 9. Dezember 1874 ging es um das Attentat auf Reichskanzler Fürst Bismarck und den katholischen Attentäter Kullmann (vgl. [1]). Fußangel wurde beschuldigt, „in Bezug auf den Fürsten Bismarck eine nicht erweislich wahre Thatsache, welche denselben in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, verbreitet zu haben; verurtheilt ihn deshalb zu einer Gefängnißstrafe von vier Wochen, setzt jedoch diese Strafe auf vierzehn Tage herab“ (Quelle: [1]). Fußangel hatte in dem Artikel den katholischen Pfarrer Störmann verteidigt, der dem Attentäter Kullmann beeinflusst haben soll. Störmann war laut Fußangel aus „Gram über die Verleumdungen der offiziösen Presse gestorben.“ (aus: Düsseldorfer Volksblatt, 9. Dezember 1874). Die folgenden Sätze könnten den ganzen Ärger ausgeöst haben: „Und nun scheut sich der Reichskanzler nicht, das Andenken des Verewigten [Störmann], der sich nicht mehr verteidigen kann, in öffentlicher Sitzung des Reichtages in ganz grundloser Weise gröblichst zu beschimpfen! Hoffentlich sind Anverwandte des Verstorbenen da, die es unternehmen, den Reichskanzler hierüber vor den Gerichten zur Rechenschaft zu ziehen.“ (ebd.)
Fußangel war im März nach einer fasteinmonatigen Haftstrafe entlassen worden. Danach hätte er eine weitere antreten sollen, er verweilte nun allerdings in Italien (aus: „Neue freie Volks-Zeitung“, 21. April 1875). Der Volksblatt-Redakteur Johann Fußangel soll sich durch Flucht einer Gefängnisstrafe entzogen haben (Quelle: „Unsere Zeit“, 1875). An anderer Stelle schrieb man über Fußangel, er hätte „sich während der kurzen Zeit seiner Redaktionstätigkeit etwa zehn Preßprozesse zugezogen. Auch dieser wackere Kämpfer für ‚Wahrheit, Freiheit und Recht‘ hat das weite gesucht u. ist nach England entflohen.“ (aus: Kitzinger Anzeiger, 30. März 1875) An anderer Stelle: „Der gebürtige Düsseldorfer hatte das ‚Düsseldorfer Volksblatt redigiert, war vor der dortigen Staatsanwaltschaft nach Bayern geflohen und leitete hier nacheinander“ (aus: Weichlein „Nation und Region“, 2004) mehrere Zeitungen.

Über den „Kulturkampf“ schrieb Chefredakteur Ed. Hüsgen später: „Wie eine vergiftete Atmosphäre, wie eine Art Krankheit lag es in jenen Tagen über unserem Vaterlande […] Katholik und Reichsfeind, katholisch und vaterlandslos […] waren gleichwertige Begriffe […]. Die konfessionellen und politischen Gegensätze waren so groß, dass ein klaffender Riss durch die Gesellschaft ging, der Spaltung und Zwietracht bis in den Schoß der Familie hinein trug. […] Namentlich in den kleineren und mittleren Städten waren die Katholiken aus den gesellschaftlichen Kreisen und vom freundschaftlichen Verkehr mit Nichtkatholiken nahezu ausgeschaltet. […] In einzelnen Städten, so in M[önchen]-Gladbach und Düsseldorf wurden sogenannte ’schwarze Listen‘ gedruckt und in den Kreisen der liberalen Parteigenossen verbreitet, in der Absicht, dadurch auf die ‚ultramontanen‘ […] Geschäftsinhaber einen Druck auszuüben oder sie seitens der liberalen Kundschaft boykottieren zu lassen. […] Die Pressprozesse gegen die ‚ultramontane‘ Presse mehrten sich in auffälliger Weise, und die untergeordneten Organe der Justiz und Polizei ließen sich in vielen Fällen offenbare Gesetztesverletzungen bei Beschlagnahme und Haussuchungen zuschulden kommen.“ (zitiert aus: „Preussische Katholiken und katholische Preussen im 20. Jahrhundert“, Hrsg. Richard Faber, Uwe Puschner)

Während des Kulturkampfs reichte die Veröffentlichung einer Encyclika des Papstes, um als Zeitung Ärger zu bekommen. Am 8. März 1875 berichtete das „Bamberger Volksblatt“, dass neben anderen Zeitungen das „‚Düsseldorfer Volksblatt‘ konfiszirt“ worden sei. „In mehreren Druckereien fahndete die Polizei nach dem Manuskript der Encyclika, aber umsonst.“ (ebd.) Im Mai hieß es in derselben Zeitung: „Kulturkampfregister. Der Redacteur des ‚Düsseldorfer Volksblatt‘ wegen Veröffentlichung der päpstlichen Encyclika von 5. Febr. zu 200 Mark oder 3 Wochen Gefängnis verurtheilt“ (aus: Bamberger Volksblatt, 4. Mai 1875).

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Hinter dem Wochentag und dem Datum steht in Klammern „Damaskus“. Dabei handelt es sich den Heiligen Damaskus, der von 366 bis 384 Papst war. Täglich druckte die „Düsseldorfer Volkszeitung“ hinter dem Datum einen Namen aus dem Heiligenkalender der römisch-katholischen Kirche. Erstmals stand in der Volkszeitung am 2. Januar 1873 ein Heiliger hinter dem Namen, Odilo von Cluny. Das Abdrucken der Heiligengedenktage war auch bei anderen Zeitungen üblich. So wurden auch „katholische“ und „protestantische“ Heilige auf der Titelseite abgedruckt (gesehen bei der „Neuen freien Volks-Zeitung“ München, 1875)

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Aus dem Anzeigenteil:

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Zeitungsverkäufer um 1910

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Ein Zeitungsverkäufer in München. In der rechten Hand hält er Postkarten mit der Frauenkirche. In der linken Hand hält er eine Ausgabe der satirischen Wochenzeitschrift „Simplicissimus“. Unter dem Arm hat er mehrere Tageszeitungen, man erkennt die „Münchner Neueste Nachrichten“, die zwischen 1848 und 1945 erschien (links oben auf der Titelseite: Kreuz mit den Türmen der Frauenkirche). Des Weiteren hat er eine Umhängetasche mit kleinformatigen Heften.