Kategorie-Archiv: verschiedenes

Im August 1916

Quellen:

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Meggendorfer-Blätter Nr. 1336, 3. August 1916. Zeichnung von Franz Hlavaty (1861 – 1917). Text darunter: „Jetzt braucht man sich wenigstens nicht mehr zu genieren, wenn man nicht fließend englisch spricht; man sagt halt, man hätte eine patriotische Erziehung genossen.“

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Anzeigen aus Meggendorfer-Blätter Nr. 1336, 3. August 1916.

https://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digilit/meggendorferblaetter.html

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Bergische Tageszeitung Nr. 177, Donnerstag, den 3. August 1916.

Vermischtes aus der Region Bergisches Land, Düsseldorf, Köln:

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Eierverkauf für die Brotkarten-Bezirke 48 – 84 nur gegen Eierkarte (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

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20 Pfennig für ein Ei verlangt ein Pfarrer in der Eifel (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

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Nudeln gegen Lochung des Feldes 3 der Fettkarte (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

Anzeigen im Bergischen Land wegen Verfälschung von Lebensmitteln (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

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Diebstähle in der Marmeladenfabrik (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

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Eine Hochstaplerin in Düsseldorf verurteilt (Notiz in der Bergischen Tageszeitung, 3. August 1916).

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„Berliner Volkszeitung“, Nr. 394, Abend-Ausgabe, Donnerstag, 3. August 1916.

Vermischtes aus Groß-Berlin:

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Szenen in der Berliner Untergrundbahn (in „Berliner Volkszeitung“, Nr. 394, Abend-Ausgabe, Donnerstag, 3. August 1916)

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Treffen der Marmeladefabrikanten („Berliner Volkszeitung“, Nr. 394, Abend-Ausgabe, Donnerstag, 3. August 1916).

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Toter Junge in die Havel („Berliner Volkszeitung“, Nr. 394, Abend-Ausgabe, Donnerstag, 3. August 1916).

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Das Wetter am 4. August 1916 („Berliner Volkszeitung“, Nr. 394, Abend-Ausgabe, Donnerstag, 3. August 1916).

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Lokal „Burghof“ in Köln während des Ersten Weltkriegs. Drei Frauen und drei Männer (Soldaten, zwei sind Matrosen). Die Frau links und der Mann daneben haben die Hüte vertauscht. Sie trinken Bier. Der Matrose links raucht Zigarette. An der Garderobe hängen einige Militärmützen (Postkarte im Format: 140 x 88 mm).

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Lokal „Burghof“ in Köln während des Ersten Weltkriegs. Vier Frauen und vier Männer (Zivilisten). Dahinter noch ein Kellner oder ein weiterer Gast. Die Frauen trugen Hüte. Getrunken wurde Bier. (Postkarte im Format: 140 x 88 mm).

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„Gruß aus >Groß – Cöln< Friesenstr. Hohenzollernring in Cöln a. Rh. Frau mit Militärmütze (Postkarte des Groß-Cöln. Zeichnung von Luis Usabal. Von Usabal gibt es zahlreiche Motive, auf denen junge Frauen Militärmützen tragen, vgl. „Fräulein Feldgrau“-Karten und Buch von Rudolf Jaworski „Mütter – Liebchen – Heroinen: Propagandapostkarten aus dem Ersten Weltkrieg“).

Sekundärliteratur:

„So einschneidend der Kriegsbeginn für viele Vereine war, so kurios mutet eine Vereinsneugründung Ende 1915 an: Nachdem im Winter 1915/1916 Boote beschafft worden waren, hielt der Verein für Kanusport Cöln an Ostern 1916 seine erste Fahrt ab. Im Juli folgte eine Fahrt mit allen Wassersportvereinen Kölns, an der auch – als Zuschauer – Mitglieder der Gouvernements, verwundete Soldaten und Generäle teilnahmen.“ („Köln 1914“, S. 120)

„Bereits im ersten Quartal 1916 gab es in Berlin eine Kriegsausstellung, die fast 500.000 Menschen sahen. Der Gedanke, in Köln eine ähnliche zu veranstalten, wurde im März 1916 in der Stadtverordnetenversammlung … eingebracht und beschlossen. Der Stadtverordnete Dietrich Brügelmann sagte spontan zu, den leer stehenden Neubau der Firma F. W. Brügelmann Söhne dafür zur Verfügung zu stellen. Der Krieg verhinderte den Umzug des Textilunternehmens in den von Juni 1914 bis November 1915 errichteten Neubau. Obwohl nur viereinhalb Monate Zeit war, konnte  am 19. August 1916 eine Ausstellung eröffnet werden, die … bis zu ihrem Ende nach Verlängerung am 1. November über 350.000 Besucher anzog.“ (zur „Ausstellung für Kriegsfürsorge“ in („Köln 1914“, S. 165)

„Als im November des Jahres [1915] jedoch Versorgungsprobleme entstanden, veranlasste der Bürgermeister eine Verordnung, in der detailliert rationierte Lebensmittel wie Brot/Mehl, Kartoffeln, Fleisch/Fett etc. aufgelistet und die jeweiligen Zuteilungsmengen genannt wurden. Außerdem richtete die Stadtverwaltung eine Preisprüfstelle und 1916 eine Volksernährungskommission sowie eine städtische Kriegsküche ein. … Bis hin zur Scheibe Brot und zum Flicklappen wurde in Gladbach wie auch in Bensberg fast jedes Lebensmittel und jeder Gebrauchsgegenstand durch die Gemeindebehörden zugeteilt.“ („Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte“, S. 311)

„Die schlechte Versorgungslage und die schwere körperliche Arbeit wirkten sich mit zunehmender Kriegsdauer auch auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung aus. Erste Anzeichen einer Verschlechterung waren im Raum Bergisch Gladbach, ähnlich wie in Köln, bereits 1916 erkennbar, als sich mehr und mehr die Unterernährung der Minderbemittelten zeigte und der Anteil der Tuberkulosetoten deutlich anstieg.“ („Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte“, S. 316)

„Liest man die behördlichen Berichte und Kriegschroniken, so zeigt sich, dass die Stimmungslage der Bevölkerung je nach Kriegs- und Versorgungslage deutlichen Schwankungen unterworfen war. So konstatierte Bürgermeister Pütz Mitte Juni 1916 einen >ernsten Umschwung< angesichts der großen Kartoffelknappheit. Als der Mangel einige Wochen später jedoch annähernd überwunden war, bezeichnete er die Stimmung wieder als im Allgemeinen zufriedenstellend.“ („Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte“, S. 317)

„1916 waren alle wichtigen Lebensmittel rationiert. Die Kölner unternahmen nun häufig Hamsterfahrten ins Vorgebirge, um wenigstens – illegal – Kartoffeln und Eier zu erwerben. Immer mehr Waren konnten für teures Geld nur auf dem schwarzen Markt besorgt werden. Die Bevölkerung, die Betriebe, ja selbst die Stadt waren gezwungen, sich auf dem schwarzen Markt zu versorgen. Der Schleichhandel blühte.“ („Köln, die große Stadtgeschichte“, S. 347)

„Gemeinsam mit den Inhabern der Rheinischen Brotfabrik, Jean und Josef Oebel, entwickelte er [Konrad Adenauer] 1916 das >Kölner Sparbrot<: ein Schrotbrot, das aus Mais, Reis und Gerste gebacken wurde, weil es an Getreide mangelte. Allzu gut sollte das Brot nicht schmecken, um keinen Anreiz zum überflüssigen Essen zu bieten.“ („Köln, die große Stadtgeschichte“, S. 348) „Patenschrift für Jean und Josef Oebel und Konrad Adenauer über ein ab 2. Mai 1915 patentiertes Verfahren zur Herstellung eines Schrotbrotes …“ („Adenauer, seine Zeit – sein Werk“, S. 17)

„1916 Mai 13 – Den Haag
Das niederländische Landwirtschaftsministerium an den Oberbürgermeister von Köln: gestattet eine erste Ausfuhr von 250 Milchkühen.“ („Adenauer, seine Zeit – sein Werk“, S. 17)

„1916 Juli 1 – Köln und Schwelm
Vertrag zwischen der Stadt Köln (i:V. Adenauer) und dem Landwirt Carl Levering über die Verpachtung seiner Weiden in der Gemeinde Schwelm an die Stadt … Die Weiden wurden zur Milchviehhaltung benötigt.“ („Adenauer, seine Zeit – sein Werk“, S. 18)

„1916 Juni 19 – Köln
Adenauer in der Lebensmittelkommission: unterrichtet über die mangelhafte Kartoffelversorgung und die Ausgabe von Ersatznahrungsmitteln, hält die Reichsregierung für den Verursacher dieses Unglücks, wirft ihr >gewissenlose Dummheit< vor, belastet die Reichstagsabgeordneten mit einem Teil der Schuld … Das Jahr stand im Zeichen der Kartoffelkrise, die ihren Höhepunkt im Kohlrübenwinter 1916/1917 finden sollte.“ („Adenauer, seine Zeit – sein Werk“, S. 18)

„1916 … Die Firma >Gewerkschaft Lindlar< verlegt Schmalspurgeleise (60 cm Spurweite) auf der Strecke Brungerstberg-Bahnhofstraße (5.6.) … Einrichtung einer Kriegshilfskasse für Kriegsteilnehmer. – Im Abrahamsthal wird eine Wasserleitung verlegt (9.8.) …“ („Lindlar – eine Bergische Gemeinde erzählt …“, S. 437)

„Lehrer Wilhelm Weiter wurde am 7.10.1915 vom Militär entlassen und übernahm die Klasse 1. Bei dieser Regelung blieb es bis zum 21.1.1916; denn an jenem Tag wurde auch Herr Kloth vom Heeresdienst befreit … am 11.3.1916 wurde Herr Wisel Soldat. Nachdem Herr Welter nun auch in Scheuren ausgeholfen hatte, kam am 1.6.1916 der Lehrer Joseph Schreiner nach hier …“ („Odenthal – Geschichte einer Bergischen Gemeinde“, S. 288/89)

„1916 Einführung der neugewählten Gemeinderäte in ihr Amt (10.3.). Es ist dies der letzte nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählte Rat …“ („Odenthal – Geschichte einer Bergischen Gemeinde“, S. 293)

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Drei Männer im Sommer 1916 im Siegtal.

„Am 1. Februar 1916 gründete [Hugo] Ball das Cabaret Voltaire. Er hatte eine Vereinbarung mit dem Besitzer der Kneipe >Meierei<, Herr Ephraim, im Niederdorf getroffen, jenem weniger gut berüchtigten Quartier der sehr gut berüchtigten Stadt Zürich. Durch ein literarisches Kabarett versprach er Herrn Ephraim, den Verkauf von Bier, Würstchen und belegten Brötchen zu heben. Emmy Hennings sang Chansons. Ball begleitete sie auf dem Klavier….“ (DADA – Kunst und Antikunst“, S. 12 – 14)

„Besonders groß war das Engagement der Bevölkerung im Lazarettwesen. Wenige Wochen nach Kriegsbeginn trafen an den Bahnhöfen in Friedrichshafen und Überlingen die ersten Transporte mit Verwundeten von der Westfront ein, denen v. a. nach den großen Schlachten des Jahres 1916 bei Verdun und an der Somme viele folgen sollten.“ („1914 – 1918“, Kriegserfahrungen von Soldaten aus der Touraine und vom nördlichen Bodensee, S. 69)

„Die Bevölkerung wurde aufgrund der schlechten Ernährungslage anfällig gegenüber Infektionskrankheiten wie etwa Diphterie, die Anfang 1916 im Amtsbezirk Überlingen auftrat.“ („1914 – 1918“, Kriegserfahrungen von Soldaten aus der Touraine und vom nördlichen Bodensee, S. 73)

„Ende Juli wird das 119. Grenadier-Regiment von Ypern an die Somme verlegt. Hier tobt seit Ende Juni 1916 die blutigste Schlacht des Ersten Weltkriegs [Schlacht Somme/Frankreich, ca. 1. Juli bis 19. November 1916]. Diese Offensive ist als Entlastungsangriff für das von deutschen Truppen angegriffene Verdun [Schlacht Verdun/Frankreich, 21. Februar bis 18. Dezember 1916] gedacht. Sie führt zu über einer Millionen getöteter und verwundeter Soldaten. Aber genau so wenig wie den Deutschen bei Verdun gelingt den Engländern und Franzosen an der Somme den Durchbruch bzw. die Zermürbung des Gegners.“ („1914 – 1918“, Kriegserfahrungen von Soldaten aus der Touraine und vom nördlichen Bodensee, S. 202)

„Berühmt wird Else Ury vor allem durch ihre >Nesthäkchen<-Reihe, von welcher bis 1915 bereits die Bände >Nesthäkchen und ihre Puppen<, >Nesthäkchen erstes Schuljahr< und >Nesthäkchen im Kinderheim< erschienen sind. >Nesthäkchen und der Weltkrieg< aus dem Jahr 1916 [VÖ wohl 1917] ist das wohl populärste deutschsprachige Kinderbuch während der Kriegsjahre.“ („Am liebsten wäre ich Soldat“, Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg, S. 119)

“ … ab Mitte 1916 hatte sich die Wirksamkeit der britischen Seeblockade derart erhöht, dass die Versorgung der Bevölkerung immer schwieriger wurde und im Hungerwinter 1916/17 fast zusammenbrach.“ („Am liebsten wäre ich Soldat“, Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg, S. 249)

„Am 7. Februar 1916 erstach der niederländische Grubenarbeiter Hermanus van Geleen bei Köln den Arbeiter Hubert de Graaf, mit dessen Frau er schon längere Zeit ein Liebesverhältnis unterhielt. Die Vollstreckung des am 7. März 1916 gefällten Kriegsgerichtsurteils erfolgte am frühen Morgen des 21. Julis 1916 durch Erschießen.“ (Udo Bürger „Bleche Botz und Klingelpütz – Kölner Kriminalfälle von 1815 – 1918“, S. 269)

„Im Ersten Weltkrieg war alles rationiert, alles zugeteilt. Und die Bauern mußten das meiste abgeben. Ich weiß noch, da hatten wir Frühkartoffeln angebaut. Die haben wir dann geliefert, also zwangsweise abgegeben, da hatten wir später selbst nix mehr! Zu der Zeit kriegten wir viel Dörrgemüse, so getrockneter Kohl und so was alles, das gab es da viel zu kaufen. Oder Graupen. Gerste ist das. Und weil es auf Zuteilung immer nur Graupen gab, hatte der Adenauer, der war damals Bürgermeister von Köln [Anm.: ab Oktober 1917], den Beinamen Graupenauer!“ (Bernhard Kalsbach in Martin Rosswog „Rückblende – Befragungen einer Generation“, S. 54)

„… Durch einen Trick schaffte ich es, daß ich felddienstfähig geschrieben wurde. Als Infantrist kam ich an die Front. Ich habe die Schlacht bei Soissons [Januar 1915] mitgemacht und später die Somme-Schlacht [Schlacht Somme/Frankreich, ca. 1. Juli bis 19. November 1916]. Die Somme-Schlacht war die schlimmste von allen, sie war mit keiner anderen Schlacht zu vergleichen! Was da für ein Durcheinander war! Kein Mensch wußte mehr, wo der andere war. Das waren furchtbare Tage!“ (Anton Gießmann in Martin Rosswog „Rückblende – Befragungen einer Generation“, S. 154)

„Ab dem 28. März 1915 wurden in Köln Brotbücher eingeführt. Jeder Haushalt bekam nun ein Brotbuch, ohne das es kein Mehl oder Brot mehr zu kaufen gab. … Pro Kopf und Tag standen der Bevölkerung nun 200 Gramm Mehl zu, was 250 Gramm Brot entsprach.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 119)

„Die Möglichkeit des Betrugs war beim Brotbuch größer als bei einer der Brotkarte, insbesondere dann, wenn ein angeblich verlorenes Brotbuch erneut ausgestellt wurde und Betrüger versuchten, damit zweimal einzukaufen. Verlorene Lebensmittelmarken wurden dagegen nicht ersetzt. Das Brotbuch war aber für die Stadt Köln einfacher einzuführen und die Verteilung war einfacher zu verwalten.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 120)

„Nach Bekanntgabe der Einführung der Brotbücher zum 28. März 1915 setzte – wie zur Mobilmachung – ein Kaufverhalten der Bevölkerung ein , als Sturmlauf nach Brot und Mehl bezeichnet wurde. Hamsterkäufe wurden von der Bevölkerung gleich in mehreren Bäckereien vorgenommen, um möglichst viel Brot vor Einführung der Brotbücher im Haushalt zu haben. … Mit Einführung des Brotbuches hörten die Hamsterkäufe dann auch wieder auf.“  (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 120)

„Es ist nicht zu leugnen, dass es illegale Möglichkeiten gab, das eingeführte System zu unterlaufen, etwa durch Hamsterfahrten in das Umland oder durch Diebstahl, Betrug und Unterschlagung. Die genannten >Möglichkeiten< wurden auch genutzt, konnten bei Aufdeckung aber hart bestraft werden. Weiterhin als legale Möglichkeiten vorhanden, an Lebensmittel ohne Eintrag in das Brotbuch zu gelangen, waren der eigene Anbau von Feldfrüchten, … oder der Besuch von Restaurants, in denen immer noch viele Gerichte ohne Bezugsschein verzehrt werden konnten. Hierbei war natürlich die eigene finanzielle Situation von Bedeutung.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 120)

„Eine Bestandsaufnahme für Nahrungsmittel in den Kölner Haushalten im Januar 1916 ergab, dass in 51.470 von 130.646, also rund 39 Prozent der Kölner Haushalte, keine Kartoffelvorräte mehr vorhanden waren. Auch die Versorgung der Bevölkerung  mit Butter und Schweinefleisch wurde äußerst ungünstig angesehen. Besser hingegen sah es in Köln mit der Versorgung mit Gemüse aus. Die Bemühungen der Stadt Köln, nahezu jedes geeignete Stück Land mit Gemüse bebauen zu lasse´n, halfen dabei sicherlich mit.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 245)

„Die im Oktober 1915 beschlossene Volksküche in Köln-Mülheim zur Versorgung der Bevölkerung nahm am 1. März 1916 ihren Betrieb auf. Schon am 28. Februar 1916 hatte eine Volksküche in Köln-Dellbrück, Andreaestraße 2, eröffnet. Zur Versorgung der Bevölkerung der Altstadt verkaufte die Stadt Köln von fahrbaren Küchen aus ab dem 14. Februar 1916 warme Mittags- und Abendessen in Form von Eintopfgerichten zum Preis von 20 Pfennig für die Liter-Portion. Die Küchenwagen trugen das Schild Stadtküche und kündigten sich durch Klingelzeichen an. Zunächst durchfuhren drei Küchen von 11:30 bis 13 Uhr und von 18:30 bis 20 Uhr die Arbeiterviertel der Altstadt. Köln war mit diesen ersten >Gulaschkanonen< Vorreiter für andere Städte Deutschlands. […] Eine weitere Verkaufsstelle für Eintopfgerichte wurde von der Stadt Köln in Ehrenfeld, Körnerstraße 10, am 15. März 1916 eröffnet. Zwischen 11:30 und 13 Uhr wurden hier Eintopfgerichte für 40 Pfennig die Portion verkauft.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 249) Anm.: Die Küchenwagen der Stadtküche wurden von einem Pferd gezogen (vgl. Abb. hier)

„Zum 1. Juli 1916 sollte eine neue Form des Brotbuches herausgegeben werden. Die gekauften Waren sollten nicht mehr in das Brotbuch eingetragen werden, sondern das Buch sollte Marken für verschiedene Waren und Zeiten des Verkaufs enthalten, die dann beim Kauf an die Verkäufer abgegeben werden mussten. Die Verkäufer mussten die Marken auf Bogen aufkleben und bei der städtischen Brotbuchzentrale zur Kontrolle vorlegen. Mit diesem System wollte man insbesondere den Missbrauch des Brotbuches durch Radierungen und Veränderungen der Eintragungen verhindern. Die Stadt Köln nahm sich bei diesem neuen System die Stadt Aachen und ihr Verteil- und Kontrollsystem zum Vorbild.“ (Volker Standt: „Köln im Ersten Weltkrieg“, S. 257)

Golfsport: Die Suche nach dem perfekten Rasen

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Golfplatz

South German mixed bent auf amerikanischen Grüns

Zu Begin des 20. Jahrhunderts bis in die späten 1930er Jahre wurde in den USA bei der Neuanlage von Grüns oft deutsches Gras gesät. Die Amerikaner nannten die importierte Saatgutmischung „South German mixed bent“.

Die Böden und das Klima in den USA machten es nötig, dass verschiedene Grassorten für die Neuanlage von Golfplätzen importiert werden mussten. Walter J. Travis (1861 – 1927), der Golfspieler, Golfplatzarchitekt und Chefredakteur des „American Golfer“ hatte 1909 in seinem Magazin den Artikel „The Care of Golf Courses“ geschrieben, in dem es auch um den Rasen des Putting Greens ging:

„A vast number of golfers labor under the delusion that it is impossible to get good greens on inland soil. This is a fallacy.“ (Travis, 1909)

Travis schlug eine Mischung aus Kentucky Blue Grass, Red Top, Fine-leaved Sheeps Fescue, Red oder Creeping Fescue, Sheeps Fescue, Creeping Bent, Rhode Island Bent und Wood Meadow Grass vor. Das Wort „Bent[grass]“ stammt vom alten angelsächsischen Wort „binut“ ab, welches mit dem deutschen Wort „Binse“ (grasähnliche Sumpfpflanze) verwandt ist. Mit „Bent“ werden verschiedene Grassorten unterschieden.

Flechtstraussgras

Flechtstrassgras mit Kriechtrieben (bot. Agrostis stolonifera, engl. Creeping bent)

Allerdings waren die Bodenbedingungen in den USA oft nicht optimal, so dass die Gräser nicht lange überlebten. Aus einer Korrespondenz zwischen dem Besitzer des Golfplatzes in Pinehurst, Leonard Tufts, und dem Leiter der „Green Section“ unter dem Dach der United States Golf Association (USGA), Dr. Charles Vancouver Piper geht hervor, dass noch vor 1900 ein deutscher Forscher vom Golfplatz engagiert worden war, um herauszufinden, welche Gräser auf dem schlechten Boden in Pinehurst wachsen könnten. Er stellte nach mehreren Jahren des Experimentierens fest, dass nur „Bermuda grass“ und „Texas bluegrass“ den Sommer überlebten. Dies war äußerst unbefriedigend. Daher suchten die Amerikaner weltweit nach Grassorten, die auf ihren Böden wachsen konnten. Pioniere auf diesem Gebiet waren James Bradford Olcott, Frederick Winslow Taylor, Russell A. Oakley und der bereits erwähnte Charles Vancouver Piper.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte man schon einige Erfahrung mit den verschiedenen Grassorten, die zur Anlage der Rasenflächen in Parks und für die Gärten in den Vororten benötigt wurden. Der bekannte Botaniker Professor William James Beal (1833-1924) vom Michigan Agricultural College zitierte in seinem Artikel „How to Make a Lawn“ (1888) den Landwirtschaftspezialisten des „Hartford Courant“ (Nordamerikas älteste Tageszeitung), J.B. Olcott aus South Manchester, Connecuticut:

„Rhode Island bent and Kentucky blue-grass are their foolish trade names, for they belong no more to Kentucky or Rhode Island than to other Northern States. Two sorts of fine Agrostis are honestly sold under the trade name of Rhode Island bent, and, as trade goes, we may consider ourselves lucky if we get even the coarser one. The finest-a little the finest -Agrostis canina-is a rather rare, valuable, and elegant grass, which should be much better known by grass farmers, as well as gardeners, than it is. These are both good lawn as well as pasture grasses.“ (Olcott, 1886)

Noch bevor der Golfsport in den USA Fuß gefasst hatte, beschäftigte sich J. B. Olcott ab 1885 mit der Erforschung der verschiedenen Rasensorten. Er legte in South Manchester den ersten „Turf Garden“ an. Er sammelte in Europa, Australien, Neuseeland und überall wo er hinreiste Rasen und pflanzte diesen später in den Garten in South Manchester. Schließlich hatte Olcott 500 verschiedene Grassorten angepflanzt. Als Olcott 1910 starb, übernahm Fred W. Taylor (1856 – 1915, siehe auch „Taylorismus“, „scientific management“) einen Teil der Pflanzen und brachte sie in die Nähe von Philadelphia. Der begeisterte Golfer Taylor beschäftige sich von 1904 bis zu seinem Tod im Jahre 1915 mit der Erforschung der Gräser für ein optimales Putting Green. Dazu legte er in seinem Garten in Chestnut Hill kleine Putting Greens in der Größe von 50 x 40 feet an. Die Resultate seiner Forschungen veröffentlichte er ab Dezember 1914 im „American Golfer“ und im Juni 1915 in „Country Life in America“. Im „American Golfer“ erschien der Artikel „The Making of a Putting Green“ in mehreren Folgen. Im zweiten Teil schrieb Taylor:

„For a warmer climate than that of Northern Massachusetts, namely the climate of the greater part of the United States (a climate, for instance, as hot even as that of Washington or St. Louis) the Creeping Bent (Agrostis Stolonifera) is by far the best, and our experience would indicate that the finer quality of Creeping Bent which is grown in South Germany is better than any other.“ (Taylor, 1915)

Dr. C.V. Piper (1867 – 1926) und Dr. R. A. Oakley (1880 – 1931), beide waren seit 1903 beim United States Department of Agriculture (USDA) in Arlington angestellt, kannten die Arbeit und den Garten von Taylor. Nach dessen Tod wurde 1916 in Arlington (Virginia) bei Washington zu Forschungszwecken der Arlington Turf Garden angelegt, der von Piper und Oakley geleitet wurde. Einen Teil ihrer Sachkenntnise veröffentlichten die beiden Forscher 1917 in dem Buch „Turf for Golf Courses“ (Rasen für Golfplätze). Die Beschäftigung mit Golfrasen führte im November 1920 zur Gründung der „Green Section“ unter dem Dach der United States Golf Association (USGA). Piper, der in der Zwischenzeit wie Oakley begeisterter Golfer war, wurde der erste Leiter der „Green Section“. Piper und Oakley gaben monatlich einen Rundbrief heraus, der sich nicht nur mit Rasen, sondern auch den Arbeiten des Greenkeepers und der Golfplatzarchitektur beschäftigte.

Nicht erst seit den Veröffentlichungen durch Fred W. Taylor war „South German Mixed Bent“ in den USA bekannt. Geliefert wurde bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert. Es handelte sich um Flechtstraußgras (Agrostis stolonifera), welches zunächst aufgrund seiner Herkunft „South German Mixed Bent“ genannt wurde. Neben Flechtstraußgras sollen auch Anteile von Roten Straußgras (Agrostis capillaris, eng. Colonial Bentgrass) und Sumpf-Straußgras (Agrostis canina, engl. Velvet Bent) enthalten gewesen sein. In der Zeit um den ersten Weltkrieg wurde die Grassorte mit dem botanischen Namen Agrostis stolonifera nicht nur „South German mixed bent“, sondern auch „German bent“, „Creeping bent“ oder „German creeping bent“ genannt. Diese führte oftmals bei den Verkäufern und auch bei den Käufern zu Verwirrung, so dass in einem Rundbrief der „Green Section“, darauf hingewiesen wurde, das „South German mixed bent“ manchmal fälschlicherweise „Creeping bent“ genannt würde, aber etwas anderes sei. In England sollen die Grassamen aus Deutschland unter dem Namen „South German Agrostis“ verkauft worden sein. Im Gegensatz zu den USA war man in England aber keineswegs auf importierte Grassamen angewiesen.

Woher die Grassamen genau kamen wusste man in den USA nicht. Mal wurde geschrieben sie würden aus dem Rheinland kommen, ein anderes Mal wurde von Frankfurt gesprochen, aber auch Holland, Belgien und England wurden als Lieferanten genannt. In Deutschland gab es seit dem 18. Jahrhundert große Saatguthandlungen, die ihre Produkte weltweit exportierten.

Als der erste Weltkrieg ausbrach und die englische Flotte gegen Deutschland vom ersten Kriegstag an die Seeblockade durchsetze, konnte auch kein Saatgut mehr nach Übersee verschickt werden. Nach dem Krieg lieferten die Deutschen wieder. Die Amerikaner hatten schon während des Krieges versucht ihre eigenen Sorten weiter zu entwickeln, waren aber weiterhin an den Samen aus Deutschland interessiert.

Im Jahre 1924 fuhr daher ein Angestellter vom USDA nach Deutschland und informierte sich über die Ernte der Gräser. George C. Edler, so der Name des Angestellten, besuchte in erster Linie die Erntegebiete bei Darmstadt und Aschaffenburg sowie in Thüringen die Orte Gotha, Groß-Tabarz und Fischbach (beide Orte gehören heute zur Gemeinde Tabarz und liegen im Landkreis Gotha). Er berichtete, dass neben den Haupterntegebieten in Hessen, Thüringen und Württemberg, im kleineren Rahmen auch im Rheinland, in Brandenburg und in anderen preußischen Provinzen Grassamen geerntet wurden. Die Ernte selber fand von August bis zu den ersten kalten Tagen im November statt. Gesammelt wurde nebenberuflich sonntags und nach der Arbeit am Abend. Im September und Oktober lieferten die Sammler die Samen an die Händler ab, die sie ab Dezember nach Übersee verschickten. Vor dem ersten Weltkrieg wurden die Samen in Säcken zu je 50 Kilo über den Rhein nach Rotterdam gebracht. Beim Besuch von Edler 1924 wurde die Ware zur Verschiffung nach Hamburg transportiert, da die Fahrt durch das von den Franzosen besetzte Ruhrgebiet zu lange dauerte.

Zwei Jahre später im Jahre 1926 begab sich R. A. Oakley, von der USGA Green Section, im Auftrag des US-Landwirtschaftsministeriums zum International Institute of Agriculture nach Rom. Oakley hoffte auch die Grassamenproduktion in Deutschland und einige Golfplätze in Großbritannien besuchen zu können, um den dortigen Rasen zu „studieren“. Im Oktober 1926 berichtete Oakley von seiner Europareise, die ihn von April bis Juni durch Frankreich, Italien, Deutschland, Holland und Großbritannien führte. In Berlin besuchte er den Golfclub am Wannsee und sprach mit dem Clubpräsidenten Herbert M. Gutmann (dem späteren Präsidenten des DGV). Oakley schrieb die Plätze seien von Seiten der Architektur zwar unter dem modernen Standard, so auch das Greenkeeping, aber die Leute würden den Sport mögen. Über die Grassamenproduktion verlor er allerdings kein Wort.

Das USDA meldete 1927 den Erfolg der langjährigen Forschungsarbeiten in Arlington. Als das perfekte Gras für Putting Greens sei Creeping Bent entwickelt worden. Aber natürlich war man damit nicht für alle Tage glücklich. Bereits 1928 erhielt der Präsident des Pennsylvania State College die Anfrage von mehreren amerikanischen Golfclubs, ob das College ihnen bei der Erforschung und Verbesserung des Golfrasens helfe könnte. Daraufhin wurde Professor H. Burton Musser (1893 – 1968), der seit 1922 an der Penn State arbeitete, mit der Forschung beauftragt. In den 1940er Jahren erwickelte er eine neue Grassorte für Golfplätze, die 1954 unter dem Namen Penncross vorgestellt wurde. Nun konnte man bei der Neuanlage von Greens komplett auf „South German Bent“ verzichten, deren Lieferung aus Deutschland in späten 1930er aufgrund des Krieges bereits geendet hatte.

Allerdings war „South German Bent“ weiterhin auf den Golfplätzen. Superintendent Eb Steiniger (1905 – 2002) berichtete Ende der 1960er Jahre von der Entwicklung der Grassorte Cohansey. Eberhard Rudolf Steiniger war 1926 aus Deutschland in die USA immigriert. Er hatte zunächst auf dem Platz des Lakeville Country Club in Long Island gearbeitet und wechselte 1927 zum Pine Valley Golf Club in New Jersey als Greenkeeper. In Pine Valley wurde 1935 vom vierten Green ein Rasenstück entnommen (Steiniger: „which is an old SouthGerman mixed bentgrass green“) und in den Clubgarten gepflanzt. 1939 kam eine Probe in den Garten der Green Section in Arlington und wurde dort mit C-7 bezeichnet. Nach dem Krieg wurde C-7 dann als Cohansey angeboten und wurde auf vielen Golfplätzen gepflanzt.

„I think it was South German bent it was“ (Jack Nicklaus, 2005)

Quellen:

[1] Olcott, J.B. „Report of the Connecticut Board of Agriculture for 1886“ zitiert in: Beal, W.J. „How to Make a Lawn“, Garden and forest. / Volume 1, Issue 1, 1888 (http://memory.loc.gov/ammem/ndlpcoop/moahtml/snchome.html)
[2] Piper, C.V. / Oakley, R.A.: „Turf for Golf Courses“, Macmillan, New York, 1917 (http://digital.lib.msu.edu/collections/index.cfm?CollectionID=68)
[3] Taylor, Fred W.: „The Making of a Putting Green“, In: „American Golfer“, 1915
(http://www.aafla.org/SportsLibrary/AmericanGolfer/1915/ag133f.pdf)
[4] Travis, W.J.: „The Care of Golf Courses“, In: „American Golfer“, 1909
(http://www.aafla.org/SportsLibrary/AmericanGolfer/1909/ag15f.pdf)
[5] Steiniger, E.R.: „The Story of Cohansey“, USGA Green Section Record, Sep. 1968
(http://turf.lib.msu.edu/1960s/1968/680903.pdf)
[6] USGA Green Section Record, verschiedene Ausgaben von 1921 bis 1954 (http://turf.lib.msu.edu/)
[7] Watson, James R.: „Golf course grasses then and now“, 2001 (http://www.gcsaa.org/gcm/2001/sept01/09golfcourse.html)
[8] Woods, Micah: „Charles Vancouver Piper: The Agrostolist“, 2006 (http://www.usga.org/turf/green_section_record/2006/mar_apr/charles.html)
[9] Weidner, Krisa M.: „75 Years of Green Grass at Penn State“, Turfgrass Trends, 2005 (http://www.turfgrasstrends.com/)

System /370 Modell 145 von IBM

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System /370 Modell 145 von IBM, IBM-Pressefoto (Bookattack Collection)

Literatur:
https://en.wikipedia.org/wiki/IBM_System/370_Model_145
https://de.wikipedia.org/wiki/System/370
https://de.wikipedia.org/wiki/System/360
https://www.arnnet.com.au/slideshow/541873/pictures-mostly-cool-history-ibm-mainframe/

IBM RAMAC 1401

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IBM RAMAC 1401, IBM-Pressefoto (Bookattack Collection)

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IBM RAMAC 1401, IBM-Pressefoto (Bookattack Collection)

Literatur:
https://de.wikipedia.org/wiki/IBM_1401
http://www.computerhistory.org/brochures/doc-437295709c350/
https://de.wikibooks.org/wiki/Computergeschichte:_1900_bis_heute#1959_IBM_1401

Ein IBM-System

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IBM Plattenspeichereinheit 355 zu Magnettrommelrechner Type 650, IBM Pressefoto (Bookattack Collection).

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IBM 650 mit Bändern, IBM Pressefoto (Bookattack Collection).

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Stanzer 537 zu IBM RAMAC 650, IBM Pressefoto (Bookattack Collection).

Big Data mit Lochkarten

„Herman Hollerith schloss sein Studium der Ingenieurwissenschaften an der Columbia University im Alter von 19 Jahren ab und ging als Statistiker zum US-amerikanischen Volkszählungsamt, um die Bevölkerung im Rahmen der Volkszählung 1880 erfassen zu helfen. Die rasch wachsende Bevölkerung des Landes zu zählen und nach Alter, Geschlecht, Rasse und anderen Faktoren zu unterscheiden, war eine frustrierend langsame und kostspielige Aufgabe.
[…] Hollerith wusste sowohl von [Charles] Babbage als auch von [Joseph Marie] Jacquard [Steuerkarte für Webstühle]. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Pianolas populär, die Musik mit Hilfe von Lochmustern spielten …
In Holleriths Konzeption enthielt jede Karte, auf einer Größe von 7 mal 17 cm, die Daten einer Person. Ein Mitarbeiter las die Zensusrollen und stanzte die Angaben der Person in die entsprechende Stelle auf der Karte. Dabei entsprach jedes Loch einer Information, wie dem Alter, dem Familienstand oder dem Einkommen. Der Bediener der Maschine legte die Karte dann in eine Presse ein, die mit der Tabelliermaschine verbunden war, und schloss die Abdeckung. Die Nadeln, die die Löcher abtasteten, berührten zum Teil mit Quecksilber gefüllte Vertiefungen und schlossen dabei einen Stromkreis. Auf diesem Wege wurden elektrische Impulse an die uhrenähnlichen Zählvorrichtungen auf der Maschine übertragen. Wie viele ledige Frauen lebten 1890 in Dover, Delaware? Man legte einen Stapel mit den Karten der Einwohner von Dover in den Hollerith-Kartenleser und die Ergebnisse wurden auf der Zähltafel ausgegeben.“ (aus: „Im Dienst der Welt“, IBM-Pressbooks.com, 2011, S. 23 – 26)

„Über 60 Jahre setzten Unternehmen und Behörden auf Lochkarten, um Informationen zu speichern und wieder abzurufen. […]
Herman Hollerith machte aus gelochten Karten Datenspeichereinheiten […] Ein Loch an einer bestimmten Stelle bedeutete dunkle Haare, an einer anderen männlich oder weiblich. Hollerith stellte fest, dass er auf diese Weise von jedem US-Bürger eine passende >Loch-Fotografie< anfertigen konnte.
[…] Die Karten entwickelten sich weiter und konnten immer mehr Informationen erfassen. Die ersten Versionen hatten 45 Spalten. IBM gelang 1928 ein Durchbruch und es entstanden Karten mit 80 Spalten. Remington Rand konterte mit einer 90-Spalten-Karte […]. Die 90-Spalten-Karte konnte zwar mehr Daten speichern, war aber nicht so einfach zu handhaben wie die 80-Spalten-Karte von IBM.
Immer mehr Behörden stiegen von Akten und handgeschriebenen Büchern auf Lochkarten um. Die Bahnunternehmen waren unter den Ersten, die Informationen zu Wagen, Fracht und Fahrgästen automatisierten. Auch Einzelhändler, wie Marshall Field’s, stellten ihre Lagerbestandshaltung auf das Kartensystem um. Als die US-Regierung die Sozialversicherung einführte, wurden die Karten zum Finanzspeicher des Landes, der alle Lohninformationen der Arbeiter enthielt. Ende der 1930er Jahre hatten sich die Lochkartenmaschinen europaweit ausgebreitet […] 1937 hatte IBM 32 Pressen in Endicott, New York, die zwischen fünf und zehn Millionen Lochkarten täglich druckten, schnitten und stapelten. Die Karten machten in den 1950ern zwei Drittel des Umsatzes von IBM aus.“ (aus: „Im Dienst der Welt“, IBM-Pressbooks.com, 2011, S. 39, 40)

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Lochkarte (Bookattack Collection).

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Lochkarte („Artikel-Stammkarte“) von IBM (Bookattack Collection).

 

Zeitschrift „Der Katholik“, 1876

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Titelblatt von „Der Katholik“, Juli 1876. Erschien im Verlag von Franz Kirchheim.

Wer sich ein wenig der Realität zur Zeiten des „Kulturkampfes“ annähern möchte, kommt an der Zeitschrift „Der Katholik“ nicht vorbei. So steht in der Festschrift (1928) des katholischen Pressevereins („Augustinus-Verein“):

„So gering für das katholische Leben in diesem Zeitraum die Bedeutung der katholischen Presse war, so groß war die Bedeutung einiger katholischer Zeitschriften, die in vielen Punkten die Presse nahezu ersetzten. An erster Stelle ist hier zu nennen die Mainzer Zeitschrift >Der Katholik<, die 1821 von den Mainzer-Professoren Andreas Räß und Nikolaus, von denen der eine später Bischof von Straßburg, der andere Bischof von Speyer wurde, gegründet wurde und die sich fast 100 Jahre gehalten hat. […] Der >Katholik< gewann bald in ganz Deutschland Verbreitung und hohes Ansehen. […] Sein kirchlicher Standpunkt kennzeichnete sich durch engsten Anschluß an Rom und Kampf gegen national-kirchliche Bestrebungen. Die Verteidigung der Kirche und ihrer Rechte zog ihm Verfolgung und Verbote zu, verschaffte ihm aber auch einen großen Anhang in allen Kreisen und Teilen Deutschlands.“ (aus: „Der Augustinus-Verein zur Pflege der katholischen Presse von 1878 bis 1928“, Düsseldorf, 1928, Seite 5/6)

Die Zeitschrift „Der Katholik“ erschien im Verlag von Franz Kirchheim (vgl. [1]).

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Werbung des Franz Kirchheim Verlags für ein neues „Kinderbüchlein, welches namentlich Legenden und Erzählungen religiösen Inhalts enthält …“. Rückseite von „Der Katholik“, Oktober 1876.

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Werbetext des Franz Kirchheim Verlags, Mainz auf der Rückseite von „Der Katholik“, Dezember 1876: „In einer Weise wie es in neuerer Zeit noch nie geschehen, schildert der hochwürdigste Herr Verfasser in diesem seinem neuesten Werke >die Schönheiten des Rosenkranzes<, stellt diesen letzteren aber auch als einen >wirklich vollständigen Volks-Katechismus< dar, als einen Katechismus, >wie er nicht praktischer gedacht werden kann,< von dessen eifriger Uebung man sich in diesen Tagen des >Culturkampfes< getrost jene trefflichen Dienste versprechen darf, die das Gebet des Rosenkranzes von seiner ersten Einführung an der Kirche geleistet hat.“

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Rückseite von „Der Katholik“, November 1876. Aus der Werbung oben:“Die so oft aufgestellte Behauptung: >Die lateinischen Völker sind in offenbarem Niedergange begriffen; die Zukunft gehört der germanischen und slavischen Race!< wird in der hier angekündigten Schrift schlagend widerlegt […] gelangt zu dem Schlusse: daß das nächste große Jahrhundert ein katholisches Jahrhundert sein wird.“ (Werbetext zum Buch „Die Zukunft der katholischen Völker“ von Baron von Haulleville. Erschien 1876 im Verlag von Franz Kirchheim, Mainz). Aus der Werbung unten: >Der Denunciant. Eine Erzählung aus der Gegenwart für das katholische Volk. […] Von M. Renitentus […] Nach dem Vorworte dieses Schriftchens schildert der bereits bekannte Verfasser in demselben das unwürdige Denunciantenthum, die elende Kriecherei, Verrätherei und Verfolgungssucht, welche in Folge des >Culturkampfes< im deutschen Volkscharakter zu Tage treten …“ (Wertetext vom Franz Kircheim Verlag, Mainz).

Die Ruine des Sägewerks

Abschnitt 5

Bayou bei Morrisonville
August 1949

[Video: „Die Ruine des Sägewerks“]

ROBERT ELLSBERG (berichtet vor der Vereinigung „Erste Ebene“): Und so kam es, dass ich zusammen mit Kober zu diesem Sägewerk fuhr.
Als wir es endlich gefunden hatten, war noch das schönste Wetter. Kaum auf dem Hof, zogen aber schon schwarze Wolken auf. Schlagartig wurde es tiefe Nacht. Innerhalb von Sekunden. Ein Unwetter überraschte uns. Wind fauchte furchteinflößend. Dicke Hagelkörner prasselten hinab und hinterließen Dellen im Blech meines Wagens. Äste brachen von den Bäumen ab. Ich wollte uns und den Wagen in Sicherheit bringen. Da war ein Schuppen. Aber der Wagen kam nicht vorwärts, die Räder drehten durch. Ich schrie: „Fahr, fahr, du Miststück“. Obwohl wir bereits seit mehreren Minuten fuhren, standen wir immer noch haargenau auf derselben Stelle. Das Wohnhaus neben dem Sägewerk war nun allerdings hell erleuchtet. Hinter einem Fenster sahen wir eine Frau – sie lachte höhnisch. Irgendetwas hielt uns fest. Wir hatten zwar starken Gegenwind und uns flog ständig irgendetwas gegen den Wagen, aber trotzdem hätten wir längst beim Schuppen sein müssen. Ich versuchte dann nicht mehr zu steuern, es hatte gar keinen Sinn, ließ uns einfach mit dem Wind treiben. Wir landeten schließlich auf einem Feld. Fast im Bayou.

Als das Unwetter vorbei war, fuhren wir vorsichtig zurück zum Haus. Die Sonne brannte wieder. Die Pfützen auf dem Hof waren fast ausgetrocknet. Das Haus war unverschlossen und menschenleer. Die Frau war nicht zusehen. Und es sah auch nicht so aus, als hätte in den letzten Jahren dort ein Mensch gewohnt. Es hatte durchs Dach reingeregnet. Überall waren Pfützen im Haus. Keine Möbel. Nur Dreck, Staub, Spinnweben. Wir sahen uns die Umgebung des Hauses an. Auf dem Dach eines Nebengebäudes konnte ich auf einem verwitterten, handgemalten Schild die Worte Cypress King entziffern. Dies war das gesuchte Sägewerk. Das Sägewerk war ebenfalls in einem miesen Zustand. Das Dach war eingestürzt. Die Anlagen zum Bayou verrostet, zusammen gebrochen oder abmontiert. Dem Gebäude gegenüber, direkt am Bayou, stand eine größere Hütte, die offensichtlich noch als Lagerraum genutzt wurde. Vor der Hütte hatte man Holzkisten und Holzfässer gestapelt. Einige von ihnen waren hinabgefallen und lagen zerbrochen auf dem Boden und versperrten so den Eingang. Wir warfen die kaputten Kisten und Fässer zur Seite. Als wir uns fast bis zur Tür durchgekämpft hatten, hielt Kober plötzlich eine Kiste mit einem Etikett in den Händen. Auf dem Etikett stand: „Corvfarin medi 1000 Tabletten 30 Milligramm. Chemische Fabrik Vogel & Niess KG, Rheinland“.
Sie müssen wissen, werte Mitglieder: Walter Niess war der Begleiter von Thomas, als er 1927 zu Carl Feinhals kam und dieser mit dem Mitgebrachten seine Experimente abschließen konnte. Ich vermute: Walter Niess hatte damals etwas von hier mitgenommen und lieferte es nun in synthetischer Form an Feinhals.

 

Was passierte weiter?
Kober schaute sich noch die Fässer an. In diesen Fässern hatte man anscheinend ein Pulver transportiert: Nämlich unverarbeitetes Corvfarin. Wir standen also vor der Hütte, in der 1927 die Feinhals‘ ihre Experimente machten. In der Hütte standen dann noch weitere Fässer und Kisten, so wie draußen, allerdings alle randvoll gefüllt mit Corvfarin. Es gab auch allerlei Gerätschaften, Werkzeuge, Mörser und Stößel, Gläser mit Schläuchen dran, Reagenzgläser. Sie haben dort Corvfarin für ihre Zwecke weiterverarbeitet. Endlich hatte ich Das gefunden, nach dem wir all die Jahre gesucht haben. Meine Damen, meine Herren, Sie können sich vorstellen, wie ich mich freute! Nach all den Jahren, dieser Fund! Es fiel mir schwer meine Freude vor Kober zu verbergen.
Im Boden der Hütte befand sich eine zweiflügelige Falltür. Für jeden direkt zu sehen. Sie war allerdings mit einem Vorhängeschloss gesichert. Wir zerschlugen es mit einer Eisenstange und Kober stieg in die Höhle. Ich sollte oben warten.


Hinweis: Dies ist ein fiktives Dokument zur transmedialen Geschichte „Die brennende Kugel“. This is a fictional document!